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Dienstag, 6. Juni 2006

Die Geschichte, die NICHT "Schatten der Vergangenheit" heißt - Teil 11

Ich hatte mich noch nicht ganz vom Schrecken des gestrigen Tages erholt, da kam ich nach mehrmaligem Überdenken zu dem Ergebnis, dass es wohl am besten wäre, alles zu vergessen.
Gedankenversunken knabberte ich an meiner Pizza Capricciosa, die der Pizzabote vor zehn Minuten anstatt eines Frühstücks gebracht hatte. Natürlich war diese russische Stimme, die ich gehört hatte, schon etwas seltsam, doch wer weiß, vielleicht war es ja nur ein Handwerker, der etwas im Keller zu tun hatte. Mein Nachbar wohl kaum, denn der sprach reines Deutsch. Wahrscheinlich hatte ich mich nur in irgendwas reingesteigert. Nachdenklich wiegte ich den Kopf und kaute auf einer Olive. Aber....wenn der Keller nun zum Beispiel Treffpunkt der Russenmafia war? Mit denen wollte ich nichts zu tun haben. Es half alles nichts, wenn ich meinen Müll loswerden wollte, blieb mir nichts anderes übrig, als mich wieder nach unten zu begeben. Einmal um den ganzen Häuserblock wollte ich ihn nicht tragen. Ich seufzte und griff nach der Bildzeitung, welche mir der Pizzabote mit dem Pizzakarton überreicht hatte.
‚Ich war JFK!’ prangte als riesige Überschrift auf der Titelseite – ‚Die Bekenntnis eines früheren Lebens’. So ein Quark. Schnell blätterte ich weiter. Einige Seiten darauf erregte ein kurzer Artikel meine Aufmerksamkeit.
‚Wrack des Kanonenboots Wasilissa vor der russischen Baltikküste gefunden’,
die Unterwasserarchäologen sind zur Zeit mit der Kartierung, Inspektion und Inventarisierung beschäftigt, las ich. Es konnten einige, noch verkorkte Weinflaschen, sowie alte Kanonkugeln geborgen werden. Gleichzeitig hatte man nur wenige Meter vom Wrack entfernt einen abgestürzten Flieger aus dem zweiten Weltkrieg entdeckt, welcher fast vollständig von Schlick begraben, allen Ortungsversuchen zuvor widerstanden hatte.
Ich erfuhr außerdem, dass die Ostsee das wrackhaltigste Meer der Erde ist und die meisten Wracks vor der felsigen Küste Rügens liegen.

Interessant. Wer weiß, was dort noch alles so auf dem Meeresgrund schlummert. Ob der Wein wohl genießbar ist? Gesättigt leckte ich einen Streifen Soße von meinem Daumen.
Der Himmel wölkte grau hinter den Gardinen und der ersten Streifen Regen klatschte gegen die Fensterscheibe.
Ich packte den zweiten Müllsack und beeilte mich, hinunterzukommen, bevor das Unwetter richtig loslegen würde. Vor der Stahltür mit dem symbolischen Knochengesicht erfüllten mich neuerlich bange Gedanken, doch ich gab mir einen innerlichen Tritt. Der Lichtschalter klickte und die Funzel sprang surrend an. Ich durchquerte den Kellergang, bis zu der Stelle, wo die weiße Mülltüte leuchtete, welche ich in meiner Panik hatte hier stehen lassen. Sie war geöffnet und anscheinend durchwühlt worden, denn der sandige Putz war ringsumher auf dem Kellerboden verteilt. Fast nur nebenbei bemerkte ich, wie meine Furcht einer unmerklichen Wut wich. Ich verstand das alles nicht und ich wollte es auch nicht verstehen. Es hatte beinahe den Anschein, als würde jemand hinter mir her spionieren und der einzige, der mir dazu einfiel, war der liebe Herr Luchterhand. Allerdings fragte ich mich, was er in meinen Bauabfällen zu finden hoffte.

Zähneknirschend raffte ich den Plastiksack zusammen und beförderte ihn ebenso wie den zweiten in die Mülltonne. Als ich in den Keller zurückkehrte und die Hoftür wieder abschloss, bemerkte ich aus dem Augenwinkel, dass die grobe Brettertür zum Kellerverschlag meines Nachbarn, welcher sich gleich daneben befand, ein kleines Stückchen offen stand. Das Vorhängeschloss baumelte lose in der Lasche. Da ich nichts hörte, schob ich die Tür vorsichtig einige Zentimeter weiter auf und als ich erspäht hatte, dass weit und breit keine Person zu sehen war, trat ich zwei Schritte in den Verschlag hinein, der nur von einem winzigen, vergitterten Kellerfenster erhellt wurde. Graues Regenlicht fiel auf ein Regal, in welchem leere Flaschen und Gläser, sowie einige verstaubte Kisten lagerten. Spinnweben baumelten wie surreale Schleier von der Decke herunter. Neben meinen Füßen entdeckte ich eine Schale mit rotkörnigem Rattengift. Das Licht reichte nicht in die hinteren Ecken hinein, doch ich erkannte die Umrisse einiger alter Möbel, die dort gestapelt waren. Und im Zwielicht zwischen Schwarz und Grau fielen mir ein paar Geräte auf, die entweder unordentlich auf einer riesigen Holzkiste lagen oder an der Wand hingen.

Dunkel erinnerte ich mich, einige dieser Werkzeuge im Baumarkt gesehen zu haben. Jedoch längst nicht alle. Brechstangen zum Beispiel kannte ich bisher nur aus Krimis, die im Fernsehen liefen. So einen Schneidbrenner aber, ich vermutete, dass es einer war, hatte ich auch schon in der Werkzeugabteilung gesichtet. Ein drittes Gerät hielt ich für einen Glasschneider. Doch was wollte Herr Luchterhand damit? Grübelnd und noch verwirrter als vorher zog ich mich diskret zurück. Die Kellertür ließ ich leise angelehnt.

Montag, 5. Juni 2006

...

Die Einstein-Rosen-Brücke war die erste weithin anerkannte wissenschaftliche Theorie, welche die mögliche Existenz paralleler Universen oder Dimensionen betraf. Die Arbeit von Einstein und Rosen schuf die Voraussetzung für die ernsthafte Erforschung der Vorstellung paralleler Universen durch nachfolgende Generationen von Physikern. So war zum Beispiel die im Jahr 1951 von dem Physiker Hugh Everett III präsentierte "Viele-Welten-Deutung" stark von der früheren Arbeit Einsteins und Rosens beeinflusst. Everetts Theorie behauptet, dass viele Welten oder Universen mit unserer eigenen Welt und unserem Universum nebeneinander existieren; allerdings spalten sie sich fortwährend in getrennte, eigene Dimensionen auf, die gegenseitig nicht zugänglich seien. Everett zufolge enthält jede Welt oder Dimension eine andere Version derselben Menschen, die ihr Leben leben und im selben Augenblick in der Zeit unterschiedliche Handlungen durchführen.
(Buhlmann - Out of Body)

Ein seltsamer Gedanke, dass noch andere Versionen von mir irgendwo existieren sollen.

Man nannte mich Grizzlybär

In Erinnerungen gebracht durch die auf anderen Blogs tobenden Sandkastenrangeleien Diskussionen und weil's so schön ist, nochmal vom alten Blog hierher gepostet:

Rendevouz im Schnee oder wie ich meinen ersten Verlobungsring wieder los wurde
Normalerweise veröffentliche ich keine an mich gerichteten Briefe, aber dieser hier von meinem ehemaligen Sandkastenfreund ist einfach zu lustig und außerdem schon verjährt. Ich bin froh, dass mein Vater den Brief aufgehoben und ihn mir im letzten Jahr gegeben hat.

Date im Winter

Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich damals zum vereinbarten Stelldichein erschienen bin oder ob ich ihn habe im Schnee warten lassen, aber dafür kommen mir beim Lesen dieses Briefes jede Menge andere Erinnerungen an meine Kindheit. Mein Spielfreund und ich kannten uns von klein auf, sind zusammen zur Schule, sogar in dieselbe Klasse gegangen und haben 18 Jahre zusammen in einem Haus gewohnt. Da wir als Kinder fast täglich miteinander auf dem Hof spielten, von früh am Morgen bis zum Abend wenn möglich, kam es natürlich auch immer mal wieder zu Streit. Meist waren er am nächten Tag vergessen und wir spielten einträchtig miteinander, als wäre nichts gewesen. Doch manchmal war er auch richtig heftig wie einmal, als wir mehrere Tage oder sogar Wochen, unsere Treffen auf dem Hof einstellten, nachdem wir uns gegenseitig mit Eltern, Bruder, Polizei und Feuerwehr gedroht hatten. An einem dieser Tage schaute ich also stattdessen gelangweilt aus dem Schlafzimmerfenster, als ich bemerkte, dass zwei Etagen über mir ein Kopf am Fenster auftauchte und mir Zeichen machte, bzw. zu rief, dass er gleich etwas zu mir herunterlassen würde. In freudiger Annahme dessen, dass wir uns wieder vertragen, wartete ich ab, was da kommen würde und erhielt an einem Bindfaden ein kleines, zusammengerolltes Zettelchen. Als ich es öffnete las ich darauf "Du bist doof!". Das wollte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen und schritt deshalb sofort zur Tat, holte einen Briefumschlag, kritzelte auf die Rückseite des Zettelchens "Selber doof!" und steckte ihn im Umschlag verpackt, in den Briefkasten seiner Eltern. Ich habe keine Ahnung, wie lange wir dann noch vor uns hingeschmollt haben, aber irgendwann setzten wir unsere Hoftreffen wieder fort.

Eigentlich war es kein Wunder, dass öfters Meinungsverschiedenheiten entstanden, denn wir hatten völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, was Spaß macht und was wir spielen wollen. Ich selbst mochte alle Spiele, bei denen man wie wild in der Gegend umher rennen, sich kloppen, raufen und verstecken kann, wie zum Beispiel Agenten, Spione, Indianer, Detektiv, Polizei u.ä. M. dagegen war pummelig, nicht gerade bewegungsfreudig, sehr verwöhnt und mochte alle Spiele, bei denen es gemütlich zuging, er den Pascha spielen und sich bedienen lassen konnte. Sein Lieblingsspiel dieser Art war "Vater, Mutter, Kind", etwas, was mir selbst nur Gähnen entlockte. Meist setzte ich mich als Bestimmer durch und wir hielten uns an meine Spielvorschläge. Doch wenn ich merkte, dass Streit drohte, gab ich nach, da ich ein eher konfliktscheuer Mensch bin, und wir einigten uns auf "sein" Spiel. Allerdings brachte ich es dann zustande, dass in einem normalen, ruhigen "Familienleben" regelmäßig Mord und Totschlag ausbrachen und eine Katastrophe der nächsten folgte. Der Übergang vollzog sich für M. stets so unmerklich, dass er anfangs noch mitspielte, doch spätestens dann, wenn er sich aus seinem Pascha-Sessel erheben und unser entführtes Kind zurückbringen oder vor dem Haus lauernde Mörder jagen sollte, bemerkte selbst er, dass dies kein normales "Vater, Mutter, Kind" - Spiel mehr war. Hier war der Punkt, wo am häufigsten Streit begann, denn er warf mir nun vor, dass ich das Spiel nicht "richtig" spielen würde und schon war die Scheidung vollzogen.

Trotz dieses ärgerlichen Verlaufs unseres "Familienlebens" bot er mir eines Tages einen Plastikring aus einem West-Überraschungsei an, wenn ich mich mit ihm verloben würde. Ich war zwar ganz scharf auf diesen Ring, hatte aber keinerlei Ambitionen darauf, ihn als meinen Bräutigam zu betrachten, da mich schon die Sticheleien meines Vaters in dieser Hinsicht tierisch nervten und ich das Gefühl hatte, als warteten meine Eltern nur darauf. Schlau wie ich war, nahm ich deshalb den Ring mit einem gemurmelten "Danke." entgegen, ohne jedoch auf den Teil mit der Verlobung näher einzugehen. Ich beschloß den Ring einfach als ein Geschenk zu betrachten. Niemand konnte mich schließlich zwingen, M. zu heiraten. Leider berief sich M. aber danach ständig und in so penetranter Weise auf seine Rechte als Verlobter, welche die Erfüllung aller seiner Wünsche, sowie das Einräumen und Aufräumen seiner Spielzeuge und seiner Spielkiste durch mich einschlossen, dass ich mich irgendwann gezwungen sah, ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zu bringen. Ich machte ihm also klar, dass ich mich nie mit ihm verloben würde und dass er mir den Ring nur geschenkt hätte. Daraufhin forderte er den Ring von mir zurück und da ich Streit hasse, gab ich schließlich nach.

Seine Spielsachen habe ich letztendlich trotzdem aufgeräumt, denn er erpresste mich damit, dass ich nicht mehr auf seine Schaukel dürfe, wenn ich es nicht tue. Am Klettergerüst waren zwei Haken angebracht, an denen man eine leichte Holzschaukel anbringen konnte. Die Schaukel dazu besaß allerdings nur er. Und da ich im Gegensatz zu ihm für mein Leben gern schaukelte und nie genug kriegen konnte, blieb mir also gar nichts anderes übrig, aber dafür bekam er dann anderweitig von mir sein Fett weg.

Sonntag, 4. Juni 2006

...

Alles um uns herum existiert auch in einer parallelen, nichtphysischen Dimension des Universums. Obwohl unsere Augen nur das dichte molekulare Ergebnis von Energie sehen, setzt die Materie sich in einem Kontinuum nichtphysischer Energie fort, das sich unseren Blicken entzieht.
(Buhlmann - Out of Body)

Dieser Gedanke erinnert stark an den schamanischen Glauben, dass alles in der materiellen Welt ein eigenes Traumleben besitzt und in diesem Träumen an einer anderen Dimension teilhat, und zwar nicht nur Lebewesen, sondern auch "tote" Gegenstände.

...

Ich habe lange gebraucht, aber endlich lerne ich, dass nicht die Formen, die wir sehen, wichtig sind; wichtig ist, was die Formen symbolisieren.....So seltsam es klingen mag, ich vermute doch stark, dass dasselbe für die uns umgebende physische Welt gilt.
(Buhlmann - Out of Body)

Die Schale Schnaps

Kollege K. sitzt in meinem alten Kinderzimmer neben mir am Schreibtisch und gießt Klaren in eine selbstgetöpferte Schale meiner Mutter. Er gießt so voll, dass die Schale fast überläuft und man sie nicht mehr hochheben kann, ohne dass etwas überschwappt. Ich versuche es, aber es geht nicht. Deshalb stelle ich sie wieder hin und sage zu ihm, dass er abtrinken soll. Er will aber erst nicht und sagt, ich solle abtrinken. Ich will aber auch nicht und schließlich macht er es doch, bis nur noch dreiviertel in der Schale ist. Dann gibt er mir die Schale und ich trinke daraus. Dabei muss ich husten und prusten, weil mir der Alkohol in die Nase gestiegen ist. Ich frage K., ob er mich besoffen machen will.
Es kommt eine Asiatin in das Zimmer und redet die ganze Zeit entweder auf K. oder auf jemanden anderen, ich kann mich nicht mehr erinnern, ein. Dann fragt sie mich, ob ich weiß, dass sie etwas mit ihm hatte. Da ich mich das gerade selbst während der Szene gefragt habe und mir das auch denken konnte, antworte ich völlig uninteressiert, dass ich mir das gedacht habe. Über meine Reaktion ist sie anscheinend etwas enttäuscht und sie verläßt draufhin wieder das Zimmer. Während des Traumes hörte ich im Hintergrund im übrigen den Song von Klaus Lage "Stille Wasser sind tief".
Schale spirituell: Die Schale symbolisiert Überfluß und enthält den "Trank der Unsterblichkeit". Also wenn klarer Schnaps unsterblich machen soll.....ich weiß ja nicht.

Alkohol: Wenn man von Alkohol träumt, hat man unter Umständen ein Bedürfnis oder einen Wunsch nach einer beglückenden Erfahrung oder nach erfreulichen Einflüssen. Der Träumende verfügt über Mittel, um seine Wahrnehmungen zu verändern. Er kann es sich leisten, aus sich herauszugehen und sich dem "Fluß der Dinge" zu überlassen, die mit ihm geschehen. Alkohol steht als "geistiges" Getränk oft für die geistigen Kräfte, die das Verhalten und Handeln bestimmen. Das Trinken mit einer oder mehreren Personen weist darauf hin, daß man eine Gefühlsbeziehung mit diesem einen oder diesen Menschen herstellen muß. Manchmal warnt das Traumsymbol auch konkret vor zu viel Alkoholkonsum. Spirituell: Alkohol als "Geist" ist die Verbindung von Gegensätzen und bedeutet Bewußtseinsveränderung.
europ.: ein Gläschen Alkohol trinken: es fließt einem bald eine geistige Kraft oder die richtige Intuition zu.

Samstag, 3. Juni 2006

Unkraut vergeht nicht....wie steht es mit dem Glück?

Zum Fenster er sein Köpfchen wendet
- von dem Lichte ganz geblendet -
sich verschlafen streckt und reckt,
von der Sonne aufgeweckt
fragt sich staunend dann der Klee:
Wo ist er hin, der viele Schnee?

Ganz genauso fragte ich mich im letzten Herbst, wo der viele Klee hin ist, denn die Stengel fielen einer nach dem anderen ab, bis nichts mehr übrig war außer die karge Erde. Doch dieser Glücksklee scheint unausrottbar zu sein, denn aus eben dieser trockenen, staubigen Erde sprießen tatsächlich nun wieder neue Blätter. Es ist unglaublich! Bleibt zu hoffen, dass mit dem Glücksklee auch das Glück wieder Einzug hält.

Zurück aus dem Krankenhaus

Zuerst habe ich meine Mutter abgeholt und habe ihr noch geholfen, weiteren Müll wegzuschaffen, den sie aus dem Schlafzimmer sortiert hat. Sie meinte, sie ist froh, dass er es noch bis in den Korridor geschafft hat, von da haben sie ihn dann abgeholt. Sie hätte niemanden ins Schlafzimmer lassen können, bzw. die wären wohl kaum alle bis zu ihm durchgekommen. Unter anderem hat sie mir auch ein Gerät gezeigt, dass sie gefunden hatte und mich gefragt, was das ist. Auf den ersten Blick sah es aus wie ein kleiner Heizlüfter, doch als ich unten aufs Etikett schaute, stand da was von Funktechnik. Sie hat es ebenfalls rigeros in die Kiste für den Keller gepackt, denn auch wenn er wiederkommt, muss ja da eventuell mal eine Pflegekraft ins Zimmer gehen können, ohne dass meine Mutter dabei im Erdboden versinkt.

Im Krankenhaus war kein Arzt da, aber ein junger Pfleger (ein sehr gutaussehender Pfleger im übrigen), welcher uns erklärte, dass der Bauchraum heute bei der Öffnung schon besser aussah.
Er liegt weiterhin im künstlichen Koma, doch auch wenn es sich heute besser angehört hat, bin ich skeptisch, ob das so bleibt, denn die nächste Woche wird von den Gestirnstellungen her noch mal kritisch für ihn. Aber letztlich kann man es nicht wissen. Der Arzt meinte am Telefon zu meiner Mutter, wenn er das übersteht, dann übersteht er noch so manches. Und wir wissen eigentlich gar nicht, ob wir uns das wünschen sollen. Meine Mutter erklärte schon beim Teetrinken, dass sie, sollte er nochmal wiederkommen, nie wieder würde verreisen können. Das könne sie dann nicht mehr verantworten. Ich habe sie gefragt, ob sie wirklich die 10 Jahre, die sie vielleicht noch hat, und in denen sie noch einigermaßen rüstig ist, für einen unleidlichen und aggressiven Kranken opfern will. Jedenfalls muss da eine Lösung gefunden werden, auch wenn er sich noch so sehr sträubt und keinen anderen sehen will. Schließlich will sie ja auch noch was vom Leben haben.

Aber wie er da so an den Schläuchen liegt, kann er einem schon leid tun. Heute war noch ein zweiter Patient im Zimmer, eine alte Frau, die gestern wohl noch nicht da war, und was meine Mutter ziemlich störte. Wir haben uns dann an sein Bett gesetzt, ich habe seinen Unterarm gestreichelt (an die Hände ist man garnicht ran gekommen, weil die so dick bandagiert, festgeschnallt und geschwollen waren) und habe mich an einer Lichtmeditation versucht, in der ich ihn einbezogen habe. Das ist natürlich Schwachsinn, aber man hat irgendwie das Gefühl, was Konstruktives zu tun und kann sich auch gut selbst damit ablenken. Spontan fühlte ich mich an Tante Bianca erinnert, meine Kristalle habe ich allerdings zu Hause gelassen.

Wie ich so in dem Krankenhaus war, fiel mir auf, dass ich schon seit Ewigkeiten in keinem mehr gewesen bin. Ist auch besser so, denn allein die leeren Betten auf dem Flur hinterlassen bei mir ein beklemmendes Gefühl. Liegt vielleicht auch daran, dass mich dieses Bild, wie das Licht aus den Fenstern auf das weiße Bettzeug fällt, an meinen eigenen Krankenhausaufenthalt mit zweieinhalb Jahren erinnert. Meine Eltern behaupten immer, ich könne mich daran nicht mehr erinnern, aber ich weiß ganz genau, dass ich in einem Bett auf dem Flur des Krankenhauses lag, welches genau an einem Fenster stand.

Eigentlich findet heute die Geburtstagsparty zum 50. Geburtstag der Freundin meines Bruders statt, doch meine Mutter hat abgesagt und ich auch, man ist jetzt einfach nicht in der Stimmung für sowas, was K. aber auch versteht.

PS: Mein Deutsch ist heute furchtbar.

...

Meine Mutter teilte mir mit, dass die zweite Operation, wo sie ihn nochmal spülen, statt wie geplant heute vormittag erst am Nachmittag stattfindet, d.h., wir können auch erst später ins Krankenhaus. Ich hab mich nun doch entschieden mitzugehen (falls ich nicht kurz vorher noch kneife), da ich mich soweit gefangen habe, dass ich guter Hoffnung bin, nicht direkt am Krankenbett in Tränen auszubrechen, was ich für das Schrecklichste halte, was dem Kranken passieren kann. Zumindest muss ich immer daran denken wie meine Mutter einige Male an meinem Krankenbett saß, mit der unausgesprochenen Angst, ich könnte ihr unter den Fingern wegsterben und was für mich auch ziemlich schlimm war, weil man sich dann selbst noch Vorwürfe macht, aber gar nichts tun kann. Außerdem hatte ich erst vor wenigen Monaten ein Bild vor mir, wo mein Vater im Krankenhaus an Maschinen angeschlossen war und ich bei ihm saß. Damals war das so eine Art Tagtraum, den ich meiner überschießenden Phantasie zugeordnet und wieder abgeschüttelt habe. Jetzt fiel er mir wieder ein und gab mir auch einen Anstoß für die Entscheidung.

Inzwischen habe ich zu nichts anderem Lust, als trotz der Kälte auf dem verregneten Balkon zu sitzen und in die Bäume zu schauen. Irgendwie hat der Regen etwas Tröstendes an sich, es ist seltsam. Und es ist auch die einzige Möglichkeit, an nichts zu denken. Sobald ich anfange etwas anderes zu machen, beginne ich wieder zu grübeln.

...

Gerade ist die edle Spende eines großzügigen Herrn hier eingetroffen, die Gedichtsammlung sämtlicher Bachmann-Gedichte. Vielen Dank nochmal an den Herrn Wunscherfüller. Zur Zeit ist mir nicht so sehr nach Lesen, aber ich werde es sicher und in Muße nachholen. ;o)

Freitag, 2. Juni 2006

Weitere Nachrichten

Der Arzt hat heute zu meiner Mutter gesagt, dass mein Vater eine starke Sepsis im Bauchraum hat und dass das ungefähr das schlimmste ist, was passieren kann. Ungefähr 92 Prozent der Leute sterben daran. Er hat es zwar nicht so direkt gesagt, aber wohl angedeutet, dass er nicht viel Hoffnung sieht. Er meinte außerdem, dass sie, so lange die Nieren noch mitmachen, versuchen werden, ihn weiter wiederaufzupäppeln, aber sobald die Nieren auch noch versagen, werden sie alle Geräte abschalten. Entscheidend wird wohl der morgige Tag.

Obwohl ich am Telefon geweint habe, musste ich spontan lachen, als meine Mutter erzählte, dass das letzte, was er sagte als er noch ansprechbar war, "Blöde Zicke!" gewesen sei. Das wäre echt so typisch für ihn, wenn er sich mit diesen Worten verabschiedet hätte.
Sie hat mich gefragt, ob ich morgen mit ins Krankenhaus kommen will, aber ich bin mir nicht sicher ob ich das will, denn ich bin jetzt schon dauernd am heulen. Meine Mutter dagegen scheint inzwischen schon wieder ziemlich gefasst zu sein, jedenfalls hat sie schon angefangen, seinen ganzen Müll auszumisten, den er überall gehortet hat und will über Pfingsten unbedingt die Fenster putzen.

Neue Nachrichten aus dem Krankenhaus

Es sieht nicht sehr gut aus bzw. schlecht. Der Kreislauf meines Vaters ist zusammengebrochen und er wird nun künstlich beatmet.
Meiner Mutter geht es auch nicht sehr gut. Sie wollte ihn heute im Krankenhaus besuchen, aber sie traut sich kaum hin und sagt, dass sie ihn da nicht an den Schläuchen liegen sehen will. Obwohl sie immer mit sowas rechnen musste und es sich manchmal sogar gewünscht hat, sieht die Sache jetzt ganz anders aus. Und ich denke immer an diesen beknackten Herodot, den ich schnell lesen sollte.

Der Mann mit der Mitra

Mein zweites Zimmer in der Wohnung ist nur von außen über den Hausflur zu erreichen. Ich war schon eine Weile nicht mehr darin, weil es so eine Art Rumpelkammer ist. Als ich wieder dort hineingehe, stelle ich fest, dass der Vermieter ohne mich zu fragen das Zimmer ausgeräumt hat. Außerdem gibt es jetzt eine Verbindungstür zur Nachbarwohnung, wo das Zimmer nun anscheinend angegliedert ist. Das ärgert mich, doch als ich mich nochmals umschaue, stelle ich fest, dass doch noch das meiste da ist, bis auf ein paar Dinge, die ich vor einiger Zeit selbst umgeräumt habe.
Dann sind in dem Zimmer auf einmal unheimliche Gestalten, wie zum Beispiel eine mit einem Totenschädel, der sich um 360 Grad auf dem Hals dreht. Schließlich steht jemand vor mir, der ein graues Tuch über dem Kopf gehängt trägt. Ich vermute im Traum, dass darunter auch ein Totenschädel ist, weshalb ich keine große Lust habe, nachzuschauen. Die Gestalt reicht mir irgendwas auf einem Tablett, ich kann mich aber nicht erinnern, was es war. Schließlich sehe ich den Kopf eines Mannes mit einer gelben Mitra, wie er mich unter Wasser aus offenen Augen anschaut. Dazu höre ich eine Stimme im Hintergrund, wie bei einer Fernsehdokumentation, die erzählt, dass dies ein oft praktiziertes rituelles Menschenopfer in einem Teich oder See ist, wobei die Leiche des Ertränkten für immer im Wasser bleiben muss. Währenddessen sinkt der Mann mit der Mitra immer tiefer in das Wasser hinab, bis man nur noch die Mitra leuchten sieht.

Die Geschichte, die NICHT "Die Meuterei auf der Sturmvogel" heißt - Teil 10

Ferdinand der Seebeuter stand auf dem Ausguck des „Sturmvogel“ und beobachtete aufmerksam den schmalen Küstenstreifen, auf welchem Sankt Petersburg, noch friedlich schlummernd, am Finnischen Meerbusen ruhte, und welcher nun südlich von ihm unter einer dünnen Dunstschicht verschwand. Sein blassrotes Haar, dass zu einem unordentlichen Zopf gebunden war, wirbelte zerzaust im Wind. Ihm war kalt, auch wenn er sich das nicht anmerken ließ. Normalerweise kreuzte er lieber in südlichen Gefilden, doch der Tipp, den er letztens bei einem Saufgelage in Marrakesch bekommen hatte, erschien ihm sicher. Er hatte seinen Plan der Mannschaft schmackhaft machen können und nun lagen sie hier mitten im eisigen Atem der Ostsee vor Anker. Eine Woche warteten sie schon darauf, dass sich irgendetwas tat, doch bis auf einige uninteressante, abgetakelte Fregatten und sturmhohe Wellen hatten sie noch nichts gesichtet.
Ketten-Hannes, den man so nannte, weil er im Kampf schwere Eisenketten statt der üblichen Stichwaffen bevorzugte, brüllte vom Deck des Schiffes gegen das tobende Meer an, wobei er geschickt einem vom heftigen Wind losgerissenen Tau auswich, welches sich mit blitzschnellem Antrieb auf ihn zu bewegte.
„Wat is?“

Während er das schrie konnte man erkennen, dass er dem Meer und der Skorbut schon etliche seiner Kauwerkzeuge geopfert hatte.
„Nichts!“ antwortete Ferdinand.

„Meister, jetzt hocken wir schon seit Ewigkeiten in dieser nordischen Eishölle. Vielleicht war das alles doch nur eine Ente. Ich will mir endlich wieder nen Sonnenbrand auf der Glatze holen und von einem hübschen Mädchen kühl pusten lassen.“
„Laß uns noch warten.“
Ferdinand wusste nicht, wie lange er seine Männer weiter hinhalten konnte, aber er war sich sicher, dass er recht behalten würde.

„Scheiß auf das Zarengold! Wir finden auch woanders genug Beute!“

„Halt’ Maul!“ fuhr ihn Ferdinand scharf an, „ich sage, wir warten!“

Im Hintergrund hörte er andere Männer seiner Mannschaft murren, die das Gespräch verfolgt hatten.

„Hier! Trink!“ rief Ferdinand versöhnlich und warf eine Buddel Rum schwungvoll genau in Ketten-Hannes Arme hinunter. Dieser ließ sich nicht zweimal bitten und es schien, als hätte er den Disput vergessen.

Dafür trat ein anderer, sehr viel jüngerer Mann heran, der schmächtig und kraftlos wirkte, dessen arrogante Körperhaltung gepaart mit wachsam blickenden Augen jedoch jede Menge Ehrgeiz verriet.

„Käpt’n, Hannes hat recht! Wir können hier noch ewig rumhängen und dabei erfrieren, ersaufen, verhungern oder verdursten – es wird kein Schiff kommen.“
Bedächtig wendete sich Ferdinand zu dem jungen Freibeuter, bedächtig und langsam kletterte er auf das Deck hinunter. Dann trat er dicht vor Wilfrid Zeew, der ihn misstrauisch beobachtete und sagte so ruhig wie es ihm inmitten des tosenden Meeres möglich war und ohne seinem Blick auszuweichen:

„Ich sage – es wird kommen! Und ich bin der Kapitän, wie du richtig bemerkt hast!“

Spontan begannen die Männer der Mannschaft, die dabei zugegen waren, laut „ Ein Schiff wird kommen“ zu grölen, einen Schlager, der erst mehrere Jahrhunderte später bekannt und beliebt werden sollte, wobei sie sich unterhakten, ausgelassen schunkelten und anmutig ihre Beine im Takt hoben.

„Ruhe, verdammt!“ schrie der berühmte Kapitän, „Wollt ihr mich verarschen?“

„Jaaaa!“ hörte er eine vorwitzige Stimme.

Ich sollte endlich mal wieder jemanden kielholen lassen, längsseits, dachte er grimmig und seine meergrauen Augen blitzten kalt. Die Besatzung wurde zu aufmüpfig. Aber er war sich auch darüber im Klaren, dass er jeden von ihnen brauchte, wenn er seinen Plan erfolgreich durchführen wollte. So ein Schiff konnte er nicht alleine kapern.

„Hört mal zu Leute. Ich verspreche euch, nur eine Woche noch. Wenn bis dahin nichts passiert ist, dann segeln wir wieder südwärts.“

Die Männer antworteten nicht, doch er sah einige zustimmend nicken. Na also! Ein kleiner Aufschub war besser als gar keiner.

Operationsende

Die Operation ist vorbei und die Ärzte wissen jetzt, was es ist. Mein Vater hatte einen Dickdarmdurchbruch. Da der Darminhalt in den Bauchraum gewandert ist, ist dieser entzündet. Die Ärzte überlegen jetzt, ob sie meinen Vater gleich für einige Tage in Narkose halten, da nochmal eine zweite Operation nötig sein wird, weil der Bauchraum gespült werden muss usw. Morgen Vormittag erfährt meine Mutter weiteres. Jedenfalls war es wirklich eine lebensbedrohliche Situation.

Donnerstag, 1. Juni 2006

Notoperation

Mein Bruder rief gerade an, um mir mitzuteilen, dass mein Vater im Krankenhaus liegt und jetzt gerade notoperiert wird. Ihm ging es schon den ganzen Tag nicht gut, bis meine Mutter den Arzt gerufen hat. Er selbst wäre ja selbst nie ins Krankenhaus gegangen, aber er war schon nicht mehr ansprechbar, so dass er auch keine Einwilligung mehr für die Operation geben konnte. Die Ärzte vermuten, dass es eine Embolie im Darm ist. Meine Mutter und mein Bruder sind jetzt wieder zu Hause, aber um Mitternacht erfahren sie, wie die Operation verlaufen ist. Da ich Spätdienst hatte, haben sie mich natürlich erst viel später erreicht.
Irgendwie ist das schon ein Schock, obwohl es ja früher oder später zu erwarten war. Und ich bin froh, dass das nicht gerade im Urlaub meiner Mutter passiert ist, denn da ich ja nur alle zwei bis drei Tage vorbeigeschaut habe und meine Vater selbst nicht telefoniert, wäre ihm wohl nicht mehr zu helfen gewesen.

Mittwoch, 31. Mai 2006

Die Geschichte, die NICHT "Russisch in der Dunkelheit" heißt - Teil 9

Ich schloss gerade die Tür hinter meinem männlich-cool die Treppe hinabspazierenden Besucher, der seine Lederjacke lässig über die Schulter geworfen hatte und auf dem tiefer gelegenen Absatz noch einmal hochschaute, um mir zuzulächeln, als ich bemerkte, dass die Tür der Nachbarwohnung einen schmalen Spalt offen stand.
Den Kopf erneut in den Hausflur gestreckt spähte ich angestrengt hinüber. Sofort wurde der Spalt leise geschlossen. Spionierte mein Nachbar mir hinterher?

Lustlos machte ich mich an die Arbeit, die Putz- und Staubberge in Mülltüten zu schaufeln, in welche ich außerdem ganz oben die verstaubten Abdeckfolien stopfte.
Nachdem die Fußbodenfolien weg waren, musste ich zu meinem Ärger bemerken, dass der schmierige schwarze Staub an einer kleinen Stelle durch die Folie hindurch auf den elfenbeinfarbenen Teppich gewandert war. Ein kleiner Riss vermutlich. Ich ließ alles stehen und liegen, zerrte den Bodenstaubsauger fluchend über die Zimmerschwelle und brachte ihn mit ein paar gezielten Tritten in Position.
Doch selbst als ich den Saugaufsatz abmontierte und mit dem puren Gebläse arbeitete, wollte der Fleck nicht verschwinden. "So ein Mist! Verdammte Sch...... noch mal!“ schimpfte ich wütend und rubbelte mit Papiertaschentüchern, Schwämmen und Handbürsten daran herum, was dem Fleck aber nichts anzuhaben schien. Das Schwarz hatte sich mit dem Elfenbein zu einem schmutzigen Grau vermischt, welches mich als scheußlicher Schandfleck sofort ansprang, wenn ich einen Blick auf den Fußboden warf. Ich beschloss, dass ich außer zu Renovieren auch noch genau so gut einen neuen Teppich verlegen könne. Doch vorerst waren das Weißen der Decke und das Tapezieren fällig. Zum Glück hatte ich mir die nächsten Tage freigenommen.

Schwitzend bugsierte ich den ersten Müllsack (wie konnte ein bisschen Staub und Sand so schwer sein?) vier Treppen nach unten und überwand zusätzlich eine Kellertreppe, bevor ich vor der schweren Stahltür mit dem riesigen grinsenden Totenkopf (wer hatte den da eigentlich aufgemalt?) halt machte und verschnaufte. Ich hätte die Warnung nicht in den Wind schlagen sollen. Doch noch ahnte ich nichts von dem Grauen, welches mich in den düsteren Katakomben des Hauses erwarten würde. Mit einem leichten, mir um den Nacken streichenden Unbehagen betrat ich den spärlich beleuchteten Keller. Es roch nach Rattenfäule und Moder, süßlich.
Aus allen Richtungen gähnen mich die schwarzen Löcher der endlosen Gänge an, in die das trübe Licht der kleinen Wandfunzeln nicht hineinreicht. Vorsichtig weitergehend versuche ich angestrengt etwas in ihnen zu erkennen. Sehr fern von mir ist ein feines Rascheln zu vernehmen. Schritte. Angespannt bleibe ich stehen und lausche. Doch die Dunkelheit scheint nun jedes Geräusch in ihrem schwarzen Schlund verschluckt zu haben. Plötzlich höre ich Worte in einer fremden Sprache. Es ist Russisch, erkenne ich. Dumpf und grollend dringen die Sätze seltsam monoton an mein Ohr, eine Männerstimme. Sie klingt irgendwie verzerrt und unheimlich. Ich verstehe nicht, was sie sagt. Mein Herz beginnt lauter zu klopfen. Zu laut wie ich finde. Ängstlich spähe ich in die verwinkelten Durchgänge um mich her.

Einige Meter weiter, bei einer Abbiegung, beginnt das Licht auf einmal zu flackern. Ein kurzes Summen ertönt und es erlischt. Erstarrt bleibe ich stehen, versuche meine Augen an die plötzliche undurchdringliche Finsternis zu gewöhnen. Lausche furchtsam hinein. Nur noch der eigene Atem dringt an mein Ohr. Die Stimme ist verstummt. Taste mich mit den Fingerspitzen zur Wand. Loser Mörtel rieselt herab. Die unverputzten Steine schmeicheln sich rauh und scharfkantig in meine Hand.

Ich erreiche den Lichtschalter. Er funktioniert nicht. Langsam schiebe ich mich Schritt für Schritt an der Wand entlangtastend den Gang voran. Es erscheint mir irgendwann, als habe ich die Richtung verloren. Endlos ziehen sich die Mauern mit ihren Vorsprüngen, Holzverschlägen, Lüftungsgittern und Eisenklappen hin. Im Dunkeln herumirrend pralle ich gegen etwas großes und weiches, springe erschrocken zurück. Unwillkürlich treten Schweißtropfen auf meine Stirn. "Hallo?“ rufe ich fiebsig und bin nicht sicher, ob ich eine Antwort darauf bekommen möchte.

Panisch taste ich mich zurück zum nächsten Durchgang, nicht mehr auf die Wände achtend, an denen ich mich immer wieder schmerzhaft schramme. Grober Mörtelstaub fällt in die Ärmel meiner Jacke auf die nackte Haut meiner Unterarme. Die Hände brennen voller Splitter von den groben Holzverschlägen, doch ich merke es kaum. Etwas bewegt sich in meinem Haar. Ich eile durch die finsteren Gänge, suche nach einem Ausgang. Mir ist, als hörte ich Schritte hinter mir, als würde mir jemand folgen. Blind und angstvoll stolpere ich weiter in irgendeine Richtung. Ein blasser Lichtstrahl zwängt sich trostbringend durch einen Türspalt. Ich fliehe ihm entgegen und so erreichte ich endlich wieder die Stahltür mit dem Totenschädel, das Tor zur Unterwelt. Doch obwohl diese sonst immer offen stand, war sie nun anscheinend fest verschlossen, denn ich bekam sie nicht auf, obwohl ich mich mit aller Kraft dagegen warf.

Hastig suchte ich nach dem Kellerschlüssel in meiner Jackentasche und spürte, wie sich meine Panik steigerte, als ich unter mir, aus einem der verwinkelten Gänge erneut Schritte hörte. Ich nahm alles nur noch seltsam entfernt wahr und glaubte in einem Albtraum zu sein, aus dem ich jeden Moment erwachen würde. Zittrig probierte ich jeden Schlüssel an meinem Schlüsselbund durch, doch keiner passte. Zufällig kam ich dabei gegen den Lichtschalter und zu meiner Verwunderung funktionierte er wieder. Schnell drückte ich mich in einen der Gänge, der von den Schritten weg führte und fand einen zweiten Ausgang zum Hof.
Erleichtert atmete ich auf, als sich mein Schlüssel mit Leichtigkeit in das Schloss senkte und es mit einem leisen Quietschen öffnete.

In meinen Zebraleggins hetzte ich einmal um den ganzen Block und achtete kaum auf die amüsierten Blicke der Leute, die mir grinsend hinterher schauten. Dann erreichte ich den Hausflur von der Straßenseite aus. Den Müllsack hatte ich im dunklen Keller vergessen, doch nichts würde mich jetzt wieder da hinunter bringen. Als ich in der dritten Etage war, hörte ich, wie jemand die Kellertüre zuschlug und die Stufen hinaufkam.

Schnell hastete ich noch das letzte Stückchen bis zu meiner Wohnung und versteckte mich dort, wobei ich mich hinter dem in die Tür eingelassenen Spion positionierte. Und – irgendwie hatte ich es geahnt - , mein Nachbar Herr Luchterhand, so hieß er nämlich, erschien vor meinem unsichtbaren Auge und betrat seinen Korridor. Das einzige, was ich erhaschen konnte, war ein kurzer Blick auf eine buchefarbene Kommode, über welcher ein Schwarz-Weiß-Poster prangte.

Dienstag, 30. Mai 2006

"Die gute Nachricht: Ihr Herz ist kerngesund.....

die schlechte: für Ihr Alter sind Sie ....na ja... (die Ärztin sucht nach einer Umschreibung für 'schlaffer Sack'...) nicht so fit, wie Sie sein sollten. Sie müssen Sport treiben! Dreimal die Woche 30 Minuten bis Sie schwitzen." Ja, Moment mal, ich schwitze seit Wochen STÄNDIG vom Sägen, Hämmern, Schrauben, Streichen, Leiter hoch- und runterklettern und so weiter und so fort. Zählt das etwa nicht? Ich überlege krampfhaft, wie ich meiner Ärztin verklickern kann, dass 24 Stunden für einen Tag einfach zu kurz sind, um neben der praktischen körperlichen Betätigung auch noch unpraktischen Sport zu treiben. Da legt sie mir die Blutdruckmanschette an und meint zu mir, dass ich eventuell keine viertel Tablette zusätzlich nehmen muss, sondern bei einer halben bleiben kann, wenn ich Sport treibe. "Was meinen Sie? Schaffen Sie das?" und misst mir genau in diesem Moment den Blutdruck. Ja ist es da ein Wunder, dass dieser auf 180 ist? Also ehrlich mal! Man stellt doch nicht so eine Frage und misst dabei den Blutdruck! Wenn ich gelogen und geantwortet hätte: "Aber sicher, das schaffe ich doch locker.", wäre er wahrscheinlich gar noch auf 200 angestiegen. Das ist ja, als würde man jemandem die Pistole auf die Brust setzen und dabei den Blutdruck messen. Jedenfalls scheint die Sportabwehrreaktion meines Körpers noch gut zu funktionieren........*grmmpfff*

Montag, 29. Mai 2006

Angeregt durch andere Weblogs....

hab ich auch mal wieder in meinen Suchbegriffen gestöbert, um zu schauen, was da für Abartigkeiten zum Vorschein kommen. Den konkurrenzlosen ersten Platz nimmt im übrigen immer noch die Goldene Hochzeit ein, sehr weit später gefolgt von den Sonnenblumen und der Prostituierten.

wie renoviere ich meine wohnung (das musste ja kommen)

wie schreibe ich einen liebesbrief (Nun ja.....)

wie mache ich ein betriebskonzept (Noch was?)

fbi ausweis selber machen (Ähm....?)

was tun wenn man genervt ist (Bin ich die Telefonseelsorge?)

warum träume ich immer ich müsste die ganze zeit alle menschen vor banditen schützen (Nun, vielleicht leidest du unter dem sogenannten Retter-Syndrom.)

was macht die Katze den ganzen Tag (Also wenn ich an meine denke, würde ich sagen schlafen.)

wann muss ich Handwerker in die Wohnung lassen (Nur mit Vorankündigung des Vermieters!)

zelten in der wohnung (spart jedenfalls die Renovierung)

vorbeugung des saurer regen (Was soll ich denn noch alles wissen?)

balzverhalten homo sapiens (ein weites Feld)

ich möchte eine frau werden (Trau dich!)

Tischlergesellenprüfung Sommer 2006 (ich habe es geahnt)

james bond küche tauchanzug (James Bond in meiner Küche? Oh ja! Nehme ich auch im Tauchanzug!*juchz*)

entenbraten in rotweinsoße

omas hirschrollbraten (also wie man mit den letzten beiden Suchbegriffen auf meinen Blog gelangt, ist mir echt ein Rätsel)

50jährige Schlafmütze (so alt bin ich noch nich)

viviana hat gar keine homepage (Achso?)

Karel Gott news

bilder von fetten männern

gruselgeschichten kostenlos

bilder abgeschnittener Finger

hinrichtungsbericht

indianische Marter

grusskarte fesseln

darbringung-im-tempel, verschollen

kobra tänzerin

tänzerin klatschnass

tänzerin zum geburtstag

prostituierte mit einem bein

prostituierte hornbach

tempel korinth sklavinnen

götterwelt in babylon

el baal astarte

seelensitz

gotteslob digital

schlappschwänze lateinisch

numerologie vatikan

engel07 kahl

personifikation mondnacht

sektflaschen gestapelt

kreativität zucker hirnhälften

linke pupille drogen

index verbotener bücher

kill bill mathematik

Also wenn...

...eine Reform durch eine Reform durch eine Reform durch eine Reform durch eine Reform reformiert werden muss, sollte man sich fragen, ob diejenigen, die für die Reformen verantwortlich sind, tatsächlich wissen was sie tun.

Sonntag, 28. Mai 2006

Das neue Bad

Die Sonne und der Regen fechten heute einen harten Kampf miteinander aus. Mal behält dieser und mal jener die Oberhand.

Jedenfalls ist es zu kalt, um es sich auf dem Balkon gemütlich zu machen, was ich zwar lieber getan hätte, aber dafür bin ich wenigstens mit dem letzten Kleinkram im Bad fertig geworden. Es sieht jetzt aus wie neu, bzw. fast neu, und die Reste des Terassenparketts haben wirklich gerade so noch gereicht, um sie im Bad auszulegen. War ja eigentlich nicht geplant, aber es war noch so viel übrig und irgendwie finde ich, dass das eine gute Idee gewesen ist, weil sich das Holz barfuss sehr gut anfühlt. Es ist viel wärmer als die Fliesen, man braucht also keinen Duschvorleger oder ähnliches. Allerdings ist es wirklich knapp gewesen, denn hinter dem Klo fehlt ein kleiner Streifen Fliesen, da ich nur noch halbe hatte. Immerhin bin ich schon froh, dass ich die Fliesen um das Klo herum vernünftig ausgesägt bekommen habe. Ich habe mir dafür extra Papierschablonen angefertigt, die ich dann auf die Fliesen übertragen habe. Und - wer hätte das gedacht - die Fliesen passen fantastisch zu meinem neuen Spiegelschrank aus Holz, der eigentlich nur ein Frustkauf gewesen ist, da ich schon seit Jahren nach einem neuen Spiegelschrank suchte. Leider kann ich nicht irgendeinen nehmen, da es in dem kleinen Bad auf jeden Zentimeter Tiefe ankommt. Mein alter Spiegelschrank war 16 cm tief und das war schon das höchste der Gefühle, aber nachdem mein Mückenschutzspray ein Loch in den Plastikboden geweicht hatte, war er absolut nicht mehr haltbar. Jeder Zentimeter mehr entscheidet darüber, ob man noch bis zum Klo durchkommt oder vorher erschlagen wird. Leider beginnen die neuen Spiegelschränke alle fast ausschließlich ab 18 cm Tiefe, was absolut zuviel ist. Das wundert mich ein bißchen, denn es kann doch nicht sein, dass nur ich so ein kleines Bad habe. Schließlich, nach jahrelangem Suchen, fand ich einen in einem Katalog, doch als ich ihn bestellte, war er schon ausverkauft (also bin ich wohl doch nicht die einzige, die ein kleines Bad hat). Dann war ich so frustriert, dass ich einfach auf gut Glück diesen Holzspiegelschrank gekauft habe, denn er gefiel mir zwar, war mit 17,5 cm eigentlich auch noch zu tief. Doch zu meiner Freude mußte ich feststellen, dass sich die 17,5 cm auf den oberen Kranz bezogen, der Korpus aber nur 15 cm mißt, was für mein Bad absolut ideal ist. Das war ein intuitiv guter Frustkauf. Jetzt stört mich nur noch ein bißchen das Plastikregal unter dem Waschbecken. Da ich schon so wenig Platz habe, versuche ich den unter dem Waschbecken natürlich auch irgendwie zu nutzen, allerdings reicht er nicht für einen normalen Waschbeckenschrank. Die passen da alle nicht. Jetzt bin ich am überlegen, ob ich, wenn man irgendwo einfache Teakholzbretter zu kaufen bekommt, mir nicht selbst ein passendes Waschbeckenregal aus ebendiesen bauen sollte. Schließlich habe ich ja schon genug fertige Möbel zusammengebaut. So schwer stelle ich mir das nicht vor. Ich sehe es echt schon kommen, dass ich tatsächlich noch anfange, meine eigenen Möbel herzustellen. Wo soll das noch hinführen?

Die Geschichte, die NICHT "Oswald - Die Terrorpuppe" heißt - Teil 8

Von den peinlichen Gedanken an meinen letzten Fettnäpfchenfehltritt, oder genauer gesagt Sahnecremenäpfchenfehltritt, wurde ich durch einen Blick auf die zerfetzte Wand mir gegenüber abgelenkt. Wie ein schwarzes, gesichtsloses Auge beobachtete mich der freigelegte Hohlraum, und dies ist nicht nur eine simple Metapher zur Hebung des künstlerischen Niveaus dieser Geschichte, oh nein, ich fühlte mich tatsächlich auf unbestimmte Weise beobachtet, sobald ich die Wand betrachtete.

Endlich entschloss ich mich aus dem Bett zu klettern, stolperte über eine leere Coladose, die auf dem Fußboden herumrollte (wie die dorthin gekommen ist, war mir ein Rätsel) und griff noch in Unterwäsche, die aus nichts weiter bestand als einem hellblauen Slip, nach dem Hammer, der in einer Ecke lag. Mit einigen geschicktem Schlägen gelang es mir, die Ränder des Loches um einige Zentimeter zu erweitern. Dann nahm ich den Schraubenzieher und schob das, was sich darin befand, mit der Spitze hin zur Öffnung. Es verhakte sich einige Male, doch schließlich, nach geduldigem Fischen, wurde ein kleines Bein sichtbar. Ich vergaß fast zu atmen vor Erstaunen, denn das, was hier das Licht der Welt erblickte, war eine kleine Puppe, kaum größer als zehn Zentimeter. Sie, besser gesagt er, wie ich aus Kleidung und Haarschnitt ableitete, schien mindestens ebenso erstaunt zu sein wie ich, denn er blickte mich mit einem geradezu komisch wirkendem, entsetzten Ausdruck an.
„Ich fasse es nicht. Da hat doch tatsächlich jemand eine Puppe versteckt.“ Fassungslos schüttelte ich mit dem Kopf. „Nein so was. Bei einem Sparstrumpf könnte ich das ja noch verstehen, aber eine Puppe!“ So führte ich noch eine Weile meine Selbstgespräche fort, setzte das Püppchen auf die Fensterbank und genehmigte mir statt eines Frühstücks ein Glas Grapefruitsaft, welchen ich trank und dabei das kleine Ding neben meinem Orchideentopf unaufhörlich anstarrte.

Zufällig bemerkte ich, dass meine Fußsohlen schwarz waren. Ich hatte zwar gestern den herabgefallenen Putz notdürftig zu einem wie mir schien riesigen Haufen zusammengefegt, doch der schmierige schwarze Staub klebte überall auf der Folie und nun an meinen Füßen.
Ich sprang deshalb unter die Dusche, was nicht nur meinen Füßen gut tat, und machte mich mit neuer Energie an die Arbeit. Dieser Mann, Robert hieß er, war völlig vergessen.

Zuerst pinselte ich eine Flasche Tiefengrund auf den sandigen Putz, welche ich hellsichtigerweise ebenfalls gekauft hatte, und als dieser getrocknet war, plünderte ich meine Spachtelpulvervorräte, welche ich in einer großen Schüssel mit Hilfe eines traditionell dekorierten polnischen Volkskunst-Kochlöffels anrührte. Eine Glättkelle war auch zur Hand und nach mehreren Stunden emsigen Rührens und Spachtelns, waren die Ziegelsteine unter einer glatten Füllschicht verschwunden. Zufrieden betrachtete ich das Ergebnis und klaubte einige Klumpen der hellen Masse aus meinen Haaren und von meinem Gesicht, da klopfte jemand an die Tür. „Himmel! Das wird doch nicht wieder mein Nachbar sein?“ betete ich, aber es kam viel schlimmer – es war Robert.
„Hi!“ grinste er und seine Grübchen sprangen mich an, während ich versuchte ruhig zu bleiben und nicht urplötzlich zu sterben.
„Wollte mal schauen, ob du gut angekommen bist und ob es dir gut geht.“

„Danke.“ erwiderte ich zerstreut, damit bemüht, meine bekleckerten Ringelleggings und das verschwitzte Unterhemd mit Würde zu tragen. Dann erst fiel mir auf, dass er immer noch vor der Tür stand und keine Anstalten machte, wieder zu gehen. Also bat ich ihn herein.
Ich merkte, wie sein Schritt kurz stockte, als er das Zimmer betrat. Eine Sekunde für ihn, eine Ewigkeit für mich, und da ich ihm nicht anbieten wollte, auf meinem zerwühlten Bett Platz zu nehmen, standen wir beide etwas verloren in der Gegend rum. Licht fiel in breiten Streifen durch das Fenster, kleine Staubflöckchen tanzten emphatisch zwischen uns in der Luft. Alle Möbel waren noch beiseite gerückt und abgedeckt.

„Hm, sieht nach Arbeit aus.“ bemerkte er scharfsinnig.

„Genau!“ antwortete ich.

„Komme ich ungelegen?“

Dämliche Frage. Die konnte er sich wohl selbst beantworten. Doch ich riss mich zusammen und erzählte schnell, was ich mit dem Zimmer vor hatte, ohne auf seine Frage einzugehen.
Dann wusste ich vor Verlegenheit nicht mehr, was ich sagen sollte und griff schnell nach der kleinen Puppe.

„Schau mal. Die habe ich in einem Ziegelstein gefunden. Ist das nicht komisch?“

Er schien weder etwas Komisches noch sonst etwas Interessantes daran zu finden, ja, ich hatte sogar den Eindruck, dass er mir gar nicht zuhörte. Wahrscheinlich hatte er sich seinen Besuch bei mir irgendwie anders vorgestellt.

„Kann man dich auch mal treffen, ohne dass du gerade blau oder beschäftigt bist?“

Dieser leise Spott in seiner Stimme gefiel mir überhaupt nicht, um es gelinde auszudrücken.
Er hätte sich ja wenigstens an seine gestrige elegantere Umschreibung erinnern können. In mir begann es zu brodeln.

„Du hast mich doch gerade erst zweimal getroffen.“ antwortete ich trocken.

„Ja, eben. Und ich würde es gerne wieder. Ich finde dich sehr nett und ich hätte Lust, mal wirklich einen ganz entspannten Nachmittag mit dir zu verbringen, ganz ohne Stress.“

Toll! Als trächtiges Zebra fand er mich also nur noch nett. Ich seufzte. Er machte einige Schritte zur Tür und trat gegen die Cola-Dose (warum lag die eigentlich immer noch da?), dann zog er ein kleines Kärtchen aus der Jackentasche.

„Hier, meine Telefonnummer. Und auch wenn du nicht anrufen solltest, melde ich mich bestimmt wieder.“ Spitzbübig grinsend platzierte er sie auf einem der Bücherstapel im Flur und drehte neugierig das obere Buch um. Es war „Die Glut der Leidenschaft“. Schlimmer konnte es nicht mehr kommen.
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