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Dienstag, 17. Juli 2007

Es ist alles schiefgegangen,

was schiefgehen kann. Wobei das erst noch bewiesen werden muss. Eigentlich war es sowieso vorgesehen, dass ich in die andere Gruppe soll, allerdings war bisher immer die Rede von einer Fr. M., bei der ich sitzen sollte. Diese habe ich bereits auf dem Flur gesehen und fand sie vom ersten Eindruck sympathisch, außerdem soll sie auch eine der wenigen in der Gruppe sein, die recht verträglich sind. Heute Mittag kam jedoch die dortige Gruppenleiterin und erklärte mir, dass ich bei Herrn N. sitzen werde. Nun wurde mir schon von Anfang an gesagt, dass dies das Schlimmste sei, was mir passieren könne. Herr N. sei ein sehr unsozialer und unverträglicher Typ, der ein Rad ab hat und gerne seinen Mitkollegen mobbt. Der Kollege, der jetzt bei ihm im Zimmer sitzt, will deshalb weg, da er von Herrn N. immer fertig gemacht wird. Außerdem ist Herr N. enorm akkurat, seine Lineale liegen stets millimetergenau per Kante, und er ist schweigsam, lästert aber gerne mal über andere.
Nun stört mich Ordnung ja normalerweise nicht, zumindest weniger als Unordnung, und reden tue ich auch nicht gerade viel, aber wenn er genauso ist wie einige Kollegen drüben in der alten Abteilung, kann ich mir schon in etwa vorstellen, wie das wird. Besonders toll finde ich es nicht, wenn ich mich mit meinem Zimmerkollegen die ganze Zeit eisig anschweigen muss, auch wenn ich kein Vielredner bin.
Und diese Übergenauigkeit zeugt von einem kleinen Dachschaden, solche Leute sind oft anstrengend, wie ich aus Erfahrung weiß. Ich habe die Gruppenleiterin gefragt, ob sie sich wirklich sicher ist, dass diese Konstellation so gut ist, zumal ich ja eh neu bin und damit in einer schwächeren Position, aber sie ist partout der Meinung, dass wir wie die Faust auf das Auge zusammenpassen würden. Ich habe keinen Schimmer, wie sie auf sowas kommt. Glücklicherweise hat er auch ein Handikap, nämlich dieses, dass keiner mit ihm redet. Das heißt, hinter meinem Rücken mich schlecht zu machen und zu lästern, dürfte dann eher schwierig werden. Jeder der anderen Kollegen sagt, dass er in ein Einzelzimmer gesetzt werden sollte, nur die Leiterin scheint anderer Meinung zu sein. Und ich bin natürlich wieder mal diejenige, die ihn abkriegt, den Hauptgewinn.
Ich denke mir, dass es besser gewesen wäre, ich hätte überhaupt nichts über ihn gehört, weil ich dann vielleicht doch etwas unbefangener an die Urbarmachung des Eisberges herangegangen wäre. Bitte, bitte, lieber Gott, steh mir bei und lass mich nicht alleine in der Wüste.

Montag, 16. Juli 2007

Auszug aus "Der wortwörtliche Leverknödel" nach Thomas Mann *rofl*

Wenn je das Wort "Entsetzen" unentbehrlich gewesen ist, um die Empfindung eines von den kalamitosen Ereignissen geradezu hinweggespülten Chronisten zum mindesten approximativ auszudrücken, so in diesem verhängnishaft tingierten Augenblick, da nach dem historisch-lustvollen Zäpfchen-R das Gaumensegel von Adelaidens Mama schlaff herabhing und ein Teil der Vorderzunge sich an die Spalte zwischen den künstlichen Gebißreihen legte, um die nächste Adjektiverweiterung mit einem Zahnspaltenlaut einzuleiten, wobei aber gleichzeitig ein stimmlos behauchter Verschlußlaut des Lippengebietes ein neues Umstandswort zu bilden trachtete.... - eine nicht ganz ungefährliche orale Komplikation, die Adelaidens Mama mit energischen Hintergaumlauten beseitigen wollte, aber gerade dadurch erst zur nunmehr unaufhaltsamen Katastrophe ausweitete, indem sich jetzt nämlich die seit langem angestaute Masse der Metaphern, Metonymien, Hyperbeln und Euphemismen hemmungslos in die Mundhöhle ergoß und hier - als eine Art wortwörtlicher Leverknödel sozusagen - den mütterlichen Atemweg auf eine sensationell-ridiküle, aber leider auch todbringende Weise verschloß. Zu spät kamen Adelaidens herzpochend gestammelte Präteritopräsentien, zu spät auch ihre gut gemeinten Hilfszeitwörter.... -noch bevor ihr der gebührend das Zäpfchen-R bewundernde Nebensatz zum Hauptsatze erstarrt war, hatte ihre unglückliche Mama das Leben ausgehaucht - wenn dem medizinisch unberatenen Chronisten diese pietätvoll- annoncierende Formel bei einem Totalverschluß der Luftröhre überhaupt verstattet sein mag.
Der sofort herbeigerufene Philologe konnte nur noch mit achselzuckender Sachlichkeit den exitus grammaticalis konstatieren, ein psychosomatisch bedingter Todesfall wie er meinte, der ihm aber gleichwohl in den literarisch besser gestellten Kreisen seiner Praxis schon einige Male untergekommen sei.

("in flagranti" - Parodien von Armin Eichholz)

Glutofen Berlin -

lautete heute die Schlagzeile im Radio (Heißt das im Radio überhaupt Schlagzeile? Ein passenderes Wort fällt mir nicht ein.). Und es ist tatsächlich so, auf Arbeit in den hohen alten Räumen ging es einigermaßen, doch sobald man auf die Straße tritt, fühlt man sich wie im Backofen. Jetzt bezieht es sich leicht und grummelt ganz still in der Ferne. Ich hoffe, dass es noch einen schönen Regen gibt. Irgendwie ist es schon niedlich, da stöhnt man, weil es wochenlang regnet und man in Wasser ersäuft, aber sobald es zwei Tage richtig heiß ist, wünscht man sich wieder nichts sehnlicher als Regen. Was mich wirklich nervt, ist dieses extreme Wetter-Hin und Her. Meine favorisierten Temperaturen liegen bei 20 bis 25 Grad, und zwar gut durchwachsen, mal Sonne, mal Regen. Doch gemäßigte Temperaturen scheint es hier nicht mehr zu geben.

Aber eigentlich wollte ich von zwei witzigen Zufällen berichten. Am Morgen traf ich die Kollegin, welche ab heute ebenfalls bei mir in der neuen Abteilung anfängt, und wir liefen gemeinsam zur Arbeit. Unterwegs fiel mir auf, dass sie haargenau dieselbe Armbanduhr wie ich trug, und zwar auch noch in der gleichen Farbe. Die Uhr gab es im Supermarkt in zig Farben, blau, grün, rot, silber, gelb, lila, aber beide haben wir sie in orange gekauft, nur dass sie ihre noch 5 Euro billiger bekam, weil sie erst gekauft hat, als sie heruntergesetzt war.
Dann habe ich meinem Kollegen den Traum erzählt, in dem er lange Haare hatte, und darauf sagte und zeigte er mir, dass er tatsächlich mal vor einigen Jahren lange Haare getragen hat, was ich vorher aber nicht wusste.

Sonntag, 15. Juli 2007

In Bed with Zucker

Sechs Bettgeheimnisse, die allerdings, wenn man hier im Blog regelmäßig mitliest nicht wirklich sooo geheim sind. Die anderen Peinlichkeiten spar ich mir.

1. Ich betreibe so eine Art eigenes Traumlabor und experimentiere gerne mit Steinen, ätherischen Ölen, Blütenessenzen, Körperteilen, luziden Traumtechniken und und und...Es kann also durchaus vorkommen, dass ich ein Kilo Steine, Ostseesand oder sonstige Gegenstände mit ins Bett schleppe. Außerdem erzähle ich gerne Träume und höre mir auch Träume an. Das ist mein liebstes Ritual morgens im Bett, falls ich nicht alleine schlafe. *gg*

2. Puschel ist beim Einschlafen und Aufwachen immer mit dabei und mindestens ein Gute-Nacht-Kuss ist obligatorisch (meistens werden es aber mehr).

3. Ich habe teilweise einen extrem tiefen Schlaf. Es kann vorkommen, dass ich fünfzehn Stunden durchschlafe und am Morgen noch genauso liege, wie ich eingeschlafen bin.
Wenn ich nicht genug Zeit habe um auszuschlafen, brauche ich deshalb manchmal ewig, um richtig wach zu werden.

4. Ich benutze vier Wecker, einen Zen-Wecker, der regelmäßig gongt, einen normalen Wecker, mein Telefon und mein Handy. Manchmal überhöre ich aber auch alle vier gleichzeitig, wenn ich besonders tief schlafe.

5. Ich habe eine ausgeprägte innere Uhr und kann mich abends selbst so konditionieren, dass ich früh zu einer bestimmten Zeit aufwache. Das funktioniert fast immer und besser als jeder Wecker. Ich verlasse mich aber nicht darauf, weil ich abends, gerade nach Arbeitstagen, meistens blitzartig einschlafe und häufig gar nicht mehr dazu komme, mich zu konditionieren.

6. Im Sommer schlafe ich immer bei offener Balkontür und Pyjamas oder Nachthemden habe ich schon seit Jahren nicht mehr benutzt. Meine bevorzugte Schlafposition ist die Tote-Mann-Stellung mit einem Arm über dem Kopf.

Ich schwitze -

32 Grad im Schatten, auf dem Balkon, wo die Sonne am Nachmittag steht, erreicht das Thermometer inzwischen 42 Grad. Zum Glück habe ich immer einen Eimer mit Gießwasser unter der Bank zu stehen, den hab ich mir kurzerhand genommen, um meine Schweißfüße drin zu baden. Nun weiß ich nicht, ob das Schweißfüßewasser eventuell negative Auswirkungen auf die Blumen hat, aber ich nehme mal an, dass es aufgrund der Mineralien eher eine Nährstoffbereicherung darstellt.

Meine Mutter war heute das erste Mal nach ihrem Urlaub wieder im Pflegeheim bei meinem Vater und hat gerade erzählt, dass das Fotobuch ein voller Erfolg ist. Er hatte zwar schon etwas drin geblättert, als ich es ihm letzte Woche mitgebracht habe, aber es sich nicht wirklich genau angeschaut, sondern erstmal moniert, dass der Index und die Erklärungen fehlen. Heute hat er meiner Mutter aber zu jedem Foto stundenlang seine Jugenderinnerungen erzählt.

Meine Mutter will jetzt mal die Schwester fragen, ob sie ihm Pellkartoffeln mit Leinöl und Quark mitbringen kann, nur damit die nicht denken, er hätte gesagt, er bekomme dort nichts zu essen. Schließlich ist es das Essen, das er aus seiner Kindheit und Jugend kennt, da es aber ein typisches Spreewaldgericht ist, gibt es sowas im Heim nicht. Wahrscheinlich wird er dann aber bemängeln, dass er das Leinöl nicht in solchen Kännchen wie auf dem Bild serviert bekommt. *gg*

...

Jetzt weiß ich schon, warum ich hier bin. Die Herren Generäle im Reichskriegsgericht müssen auch was zu tun haben, um nicht auf die Front geschickt zu werden. Das ist doch eine schwere und wichtige Aufgabe so viele kleine Mädchen zum Tode verurteilen. Weiss Du, ich muss direck staunen mit welcher Frechheit sie die Propaganda über die Massengräber von Katyn gemacht haben. Dass ist doch ihre eigene Methode! Nein sie verstehen es noch besser zu "organisieren", in 2-3 Monaten haben sie das ganze Warschauer Ghetto geräumt, es waren mehr als 600 000 Menschen. Männer, Frauen, Kinder, kein lebendiger Mensch ist rausgekommen! Sie haben Juden in zwei grosse Lager im östlichen Teil des Generalgouvernement transportiert. Dort wurden sie alle mit Hilfe einer Gaskammer erledigt. Wenn man mit dem Zug an diesem Lager vorbei fuhr, war der Totengeruch so stark, dass man die Fenster schliessen musste und sich die Nase zuhalten. Das sind keine Märchen, Teddy*, das habe ich alles selbst gesehen und erlebt.
(aus "Zeit, die mir noch bleibt. Briefe aus dem Gefängnis" - Krystyna Wituska)

* Teddy war der Deckname für die Tochter einer deutschen Gefängniswärterin, mit welcher Krystyna Wituska illegale Briefe austauschte. Diese Gefängniswärterin half den gefangenen Polinnen wo sie nur konnte und war bei ihnen sehr beliebt.

Samstag, 14. Juli 2007

Auszug aus "Un-fuge" nach Martin Heidegger *rofl*

"Sah ein Knab' ein Röslein stehn" lautet die erste Zeile eines Liedes "Heidenröslein" von Johann Wolfgang von Goethe. Was hat sich Goethe eigentlich dabei gedacht, als er das Lied mit solchen Worten beginnen ließ?....

......
ein Röslein

Und was ist in Wahrheit das Röslein, sofern es ein Röslein ist?
Was an dem Aus-sich-heraus-röselnden so aussieht wie das Rösleinhafte im Sinne des ge-läufigen Rösleinbegriffes, das ist, vom zu Be-röselnden her erfahren, das Bröselnde, also das durch die Öse gebröselte Rösleinbrösl. Das Röslein-sein dieses Ösenbrösels öffnet sich in die Offenheit des Offenen, so daß das zerbröselte Röslein im offenen Ofen röslt und als solches ein Geröstetes wird.

("in flagranti", Parodien von Arnim Eichholz)

Einige Verse aus "Moos-Jubiläum - Anruf an den Naturlyriker" *lach*

Natur ist die Zeugmeisterei der Gedichte,
das wissen die kleinsten poetischen Wichte.
Drum schnell noch ein Schleifchen aufs heutige Kränzchen:
zeig Bildung, und treibe antike Sperenzchen!

Hetz Jupiter, Danae, Pyrrha, Leander
im orphischen Zirkus pervers durcheinander!
Laß quillen und stäuben und pollen dahin -
sie haben's per Saldo kein Bildungsgewinn:
das ehrbare Gleichnis der Mythologie
begreift ein geschwollener Fruchtknoten nie...

Das Moos hat gewispert, lieb Dichterlein.
Dein Gänsekiel taucht in den Tintenfisch ein
und schreibt alles auf und noch was dazu -
und warte nur, balde, da wisperst auch du.


("in flagranti", Parodien von Armin Eichholz)

David Lynch fordert Transzendentale Meditation in der Schule

New York - Hollywood-Regisseur David Lynch hat die Schulen weltweit dazu aufgerufen, im Kampf gegen die zunehmende Gewalt Kurse in Transzendentaler Meditation (TM) einzurichten. Regeln über das Tragen von Waffen allein könnten die Gewalt in der Schule nicht beenden, erklärte Lynch.

Wirkungsvoller sei es vielmehr, gegen die Wut und Verstörung von Schülern anzugehen, die sie zu ähnlichen Amokläufen treiben könnten wie vor mehr als zwei Wochen den südkoreanischen Studenten an der Virginia Tech. Für wirkliche Hilfe könne die Meditation sorgen, sagte Lynch weiter.

Diese erweitere und vertiefe das Bewusstsein, baue Stress ab, gebe Energie und fördere Kreativität. «Als ich zu meditieren anfing, war ich voller Wut, die ich an meiner ersten Frau ausliess. Zwei Wochen später war meine Wut verschwunden», erzählte der 61-jährige Regisseur weiter, der einige seiner grössten Erfolge morbiden Filmen wie «Eraserhead» oder «Blue Velvet» zu verdanken hat.

David Lynch glaubt auch, dass TM den Weltfrieden bringt.

Quelle: sda / Mittwoch, 2. Mai 2007 / 09:17 h

Er hat dafür sogar eine Stiftung gegründet. Unter https://www.davidlynchfoundation.org/ findet man die entsprechende Webseite. Und warum nicht? Wenn die Schüler Religionsunterricht haben, warum sollten sie nicht auch meditieren lernen? Was sie dann später damit anfangen, ist ja ihre Sache.

Hier findet man übrigens ein interessantes längeres Interview mit David Lynch:

https://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/765/75690/

Freitag, 13. Juli 2007

Männliche Feueralarm-Handtaschen-Alpträume

Gestern habe ich meinem Kollegen erzählt, dass ich am Montag, während des Feueralarms, nochmals zurück in das Haus gegangen bin, um meine Tasche zu holen. Er selbst hatte seinen Rucksack nicht mitgenommen und musste deshalb so lange warten, bis er wieder auf das Gelände durfte. Er hatte sich schon gewundert, warum ich zweimal aus dem Haus gekommen bin und meinte dann so: "Typisch Frauen! Die rennen sogar noch in das brennende Haus, um ihre Handtasche zu retten." Ich erklärte ihm, dass ich ja zu dem Zeitpunkt schon wußte, dass es nur eine Bombe war und kein Feuer, und dass es eher unwahrscheinlich sei, dass eine Bombe, die nicht direkt beim Fund explodiert ist, dies ausgerechnet während der Absperrmaßnahmen macht.
Irgendwie muss ihn das wohl sehr beschäftigt haben, denn letzte Nacht hatte er einen Traum, den er mir heute erzählte und über den ich Tränen gelacht habe. Er träumte, es sei wieder Feueralarm, er steht draußen und versucht erneut in das Haus zu kommen, um seine Tasche zu holen. Irgendwie findet er keinen richtigen Weg und versucht über einen Zaun zu steigen, wobei er aber mit dem Bauch quer über dem Zaun hängenbleibt. So hängt er also auf dem Zaun rum, da kommt Polizei vorbei und er denkt bei sich, er müsse sich jetzt ganz unauffällig verhalten, damit ihn die Polizei nicht bemerkt. Also bleibt er völlig unauffällig auf dem Zaun hängen und versucht sich möglichst nicht zu bewegen. Und wenn er nicht aufgewacht ist, so hängt er immer noch.
Der Traum zeigt den feinen Unterschied zwischen Männern und Frauen:
Frauen rennen in das brennende Haus zurück und retten ihre Handtasche, ohne später den kleinsten Alptraum zu haben, und Männer tun es nicht, sondern träumen nur davon, schaffen es aber nicht einmal dann. *lol*

Donnerstag, 12. Juli 2007

Freitag der 13. wurde vorverlegt,

nämlich auf heute, denn ich habe heute erfahren, dass ich bereits ab nächste Woche in die andere Gruppe soll. Nun war das zwar von Anfang an so angedacht gewesen, dass ich dort, wo ich jetzt bin, nur eingearbeitet werde, aber nach allem, was ich über die andere Gruppe gehört habe, bin ich nicht wirklich scharf dort hinzukommen. Die Gruppenleiterin meiner jetzigen Gruppe wollte versuchen, dass ich bleiben und schon einige Akten einer ausgefallenen Kollegin übernehmen kann, aber als die andere Gruppenleiterin gemerkt hat, dass man mir schon Akten übergeben und mich behalten will, ist sie plötzlich aufgewacht und will mich nun doch haben, nachdem sie mich vorher nie wollte, wenn wegen mir angefragt wurde. Nicht nur ich bin bedient, sondern auch mein Kollege, er meinte, Fr. G. hat bei ihm verschissen, denn er wollte gerne, dass ich bleibe, obwohl ihm klar gewesen sein muss, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis ich weg bin.
Mir dagegen ist mehr oder weniger schlecht, weil ich dauernd höre, wie die sich dort bekriegen und gegenseitig mobben. In zwei der drei Zimmer soll Eiseskälte herrschen, da muss ich mich ja warm anziehen, bemerkte ich dazu scherzhaft, ohne dass mir wirklich nach scherzen zumute ist. Ich versuche mich damit zu beruhigen, dass ich bisher überall klargekommen bin und selbst die gräßlichsten und bösartigsten Kollegenexemplare überlebt habe. Dass meine Seele dabei Schaden genommen hat, ist wahrscheinlich ein unkalkulierbares Risiko, welches einem überall dort im Leben begegnet, wo man mit Menschen zu tun hat. Ich habe mich nicht einmal aus meiner vorletzten Abteilung vergraulen lassen, wo sonst garantiert JEDER, der neu kam, nach spätestens drei Monaten wieder gegangen ist. Manchmal wundere ich mich selbst über meine Fähigkeit, mich jeder Umgebung und jeder Gesellschaft anzupassen, wobei ich mir aber nicht sicher bin, ob ich darauf stolz sein soll. Dann denke ich, dass dies wohl mehr auf einer Unfähigkeit, Konflikte auszutragen, beruht. Stattdessen sitze ich sie lieber aus, aber wo ich sitze, da sitze ich dann auch - naiv und unberührbar. Jedenfalls hoffe ich, dass es nicht ganz so schlimm wird, wie es sich jetzt anhört. Auf den Schreck habe ich mich erst einmal mit einer Tafel grüner (!) Klosterschokolade getröstet, Versuchsobjekt Nr. 1 mit Zitronenaroma, die schmeckt unnachahmlich sahnig und fruchtig.

Mittwoch, 11. Juli 2007

Die Bombe in der Zeitung

Mein Kollege brachte heute einen kleinen Zeitungsschnipsel mit, in welchem die Bombe erwähnt worden ist. Und zwar handelte es sich um eine 30 kg-Bombe, von der vor Ort der Zünder abgeschraubt wurde, damit die Bombe dann in den Grunewald transportiert und auf einem Sprengplatz gesprengt werden konnte.
Da haben wir wahrscheinlich Glück gehabt, dass sie nicht losgegangen ist, so wie die Bombe vor einigen Jahren bei den Bauarbeiten in der Frankfurter Allee, die ausgerechnet dann hochging, als ich ganz zufällig an diesem Tag ausnahmsweise nicht um die entsprechende Zeit dort vorbeikam. Dafür habe ich aber ungefähr vier Stunden gebraucht, um von der Fachhochschule nach Hause zu kommen, weil nichts mehr fuhr. Man staunt immer wieder, was aus dem zweiten Weltkrieg in und um Berlin noch in der Erde schlummert. Aber man vergißt es auch immer wieder.

Dienstag, 10. Juli 2007

...

Der Tod ist genauso natürlich wie das Leben, und genauso muß man einfach an ihn herantreten. Wer das Leben gut verstanden hat, der ist auch imstande zu sterben. Das Wichtigste ist - Haltung bis zum Ende zu bewahren, sich nicht im letzten Augenblick von irgendeinem tierhaften Lebensinstinkt übermannen zu lassen, nicht vor dieser Sekunde physischen Schmerzes zu erschrecken. Aber das wird uns gewiß gelingen, dazu muß unsere Kraft ausreichen. Wir sterben frei, ja frei! Denn das Gefängnisleben hat uns gelehrt, uns all der kleinen Dinge zu entledigen, deren Gefangene die Menschen da draußen sind. Die menschliche Seele kann niemand zwingen, wenn der Mensch selbst sie nicht einschließt in die vier Wände enger Begriffe und Vorurteile.
(aus "Zeit, die mir noch bleibt. Briefe aus dem Gefängnis." - Krystyna Wituska)

Schweiß und Lachtränen

Da war ich heute nun schon um 7:30 h im Büro, um den Streiks zu entgehen, aber dafür funktionierte mehrere Stunden lang unser Computerprogramm nicht, so dass wir erneut mehr oder weniger dumm rumsitzen mussten. Die Zeit wurde genutzt, um einige Scherze zu reißen, eine Kollegin meinte so "Könnten die heute nicht wieder eine Bombe finden?", worauf alle begannen rumzuspinnen, dass sie dann unseren Abteilungsleiter vorschicken würden, um die Bombe abzuklopfen, weil er doch der Mann fürs Grobe sei, zuständig für die Einsparungen, denn wir brauchen keine Bombe, wir brauchen die Bombe nicht. Die Scherze wurden immer böser und ich konnte mich kaum noch halten vor Lachen, da wurde mir gesagt, dass ich nichts gehört haben soll. Also hielt ich mir die Ohren zu und sagte immer "Ich höre nichts, ich höre nichts..."
Später rief eine Kollegin aus meiner ehemaligen Abteilung an und war vollkommen fertig, weil sie das gleiche Schicksal wie mich ereilt hat - sie wurde ebenfalls gefragt und hat ja gesagt. Jetzt soll sie Hals über Kopf hierher in eine andere Gruppe. Ich habe versucht ihr klarzumachen, dass es nicht ganz so schlimm ist, wie sie sich vorstellt. Ich kenne sie noch aus ganz alten Zeiten, von meiner ersten Stelle her, und ich weiß genau, wie ihre Horrorvisionen gerade aussehen, weil sie denselben Ursprung haben.
Der Kollege in meinem Zimmer verströmt zur Zeit einen äußerst männlich-markanten Schweißgeruch, den er selbst anscheinend gar nicht wahrnimmt, und auch andere haben noch nichts gesagt. Vielleicht bin ich ja die einzige, die das riecht. Ich habe mal irgendwo gehört, dass Frauen auf männlichen Schweiß total abfahren, aber das ist dann wahrscheinlich doch zuviel des Guten. Allerdings kann er nichts dafür, weil er Freitag und am Wochenende krank gewesen ist und auch jetzt noch extrem viel rumhustet, da ist das Schwitzen normal und man riecht auch genau, dass er nicht in Ordnung ist. Ich habe überlegt, ob ich etwas sagen soll, hab es aber gelassen und versuche jetzt immer unauffällig das Fenster aufzureißen, wenn er nicht im Zimmer ist, denn während er am Schreibtisch sitzt, will ich das auch nicht, da er nur im dünnen T-Shirt rumläuft und es draußen ziemlich kalt ist.

Montag, 9. Juli 2007

Was wir tragen

Wenn in dem hohen Himmelsrund
in der frühen Dämmerung
der Abendstern so stille flammt
strahlenköpfig, glutentbrannt
und die schnellen Segler ziehen
sichelnd das warme Zwischenblau
voran den längst Entflog'nen...

Wenn im Spiel des Abendfriedens
Grillenkrieger sorglos siegen
und besingen ihre Feste
zwischen schwankendem Geäste
und der Heumond blasst im Felde
inmitten grünen Lichterklanges
wo die Sonne zuletzt sang...

so thront doch und noch die Nacht
dieser große Rabenvogel
im kleinsten Keim der Farbigkeiten
und fällt heraus, hernieder
mit onyxem Sternenmund
und bleigrauem Gefieder

Bombenalarm und Verkehrschaos

Tja, beim letzten Mal hab ich über die Anweisungen noch gelacht, aber heute wurde es ernst, wenn es auch keine telefonische Drohung war, sondern ein echter Fund. Dank einer Bombe oder Granate auf der Baustelle zwischen zwei Häusern unseres Dienstgeländes dauerte mein Arbeitstag "leider" nur bis Mittag. Die Evakuierung des Geländes verlief relativ schleppend, bei Feuer würde das wohl nicht so gut ausgehen. Zuerst hatte ich Feueralarm auf meinem Telefon, das mir aber noch Haus 2 anzeigte, obwohl ich da gar nicht mehr sitze. Mein Kollege und ich sind dann raus auf den Gang, um am Fenster zu sehen, ob dort irgendwo Rauch aufsteigt, da aber alles normal aussah, sind wir wieder ins Zimmer und ich sage noch so "Pff, ich sitz ja nicht im Haus 2." Fünf Minuten später geht der Alarm auf den anderen Telefonen für Haus 3 los und alle laufen wie aufgescheuchte Hühner umher. Ich selbst hab mir nur meine Jacke geschnappt und alles stehen und liegen lassen, weil ich fälschlicherweise in der Annahme war, dass das eh nur wieder so eine Übung ist, wie immer. Vor dem Haus musste ich dann allerdings erfahren, dass es alles andere als eine Übung ist und dass die Polizei gerade dabei ist, das ganze Gelände abzusperren. Sofort war mir klar, dass es sich nur um Stunden handeln kann, bis wir da wieder rein können, und ich dachte an meine Tasche, die ich oben liegen gelassen hatte. Nun war ja kein Feuer und es waren auch noch Leute im Haus, also überlege ich mir, sprintest du schnell nochmal hoch und holst sie. Während ich die Treppe hinaufrenne baut sich schon fast auf den vorletzten Stufen die ziemlich beleibte Vorgesetzte einer anderen Abteilung vor mir auf und pflaumt mich an, wo ich denn jetzt noch hin möchte. Ich pflaume ziemlich verärgert zurück, dass ich meine Tasche holen will, fast hätte ich noch dazu gesagt, dass sie mir im Weg steht. Sie hat mich dann auch durchgelassen und als ich mit der Handtasche wieder rauskam, hatte ich noch Glück gehabt, weil inzwischen eine Polizistin vor dem Haus stand und niemanden mehr reingelassen hat. Viele Kollegen kehrten aber gerade von ihrer Mittagspause zurück oder sind nicht rechtzeitig zurückgegangen, so dass sie ihre Wohnungsschlüssel usw. noch im Büro hatten, aber nicht mehr drankamen. Natürlich total blöd, weil die dann auch nicht nach Hause können oder was anderes machen als warten.
Nun stand die gesamte Belegschaft erstmal ca. eine Stunde orientierungslos auf der Straße herum und die Polizei war auch nicht schätzungsweise in der Lage mitzuteilen, wie lange das alles dauern wird. Darauf bekamen wir gesagt, dass wir uns als Arbeitsende 15 Uhr eintragen dürfen, alles darüber hinaus fällt in die Verlustzeit, man kann aber später auch nochmal hinfahren und weiterarbeiten. Ich fange immer erst spät an, so dass ich dadurch einen Haufen Minusminuten mache, allerdings habe ich keine Lust, jetzt wieder eine Dreiviertelstunde bis dorthin zu fahren, um dann nochmal zwei Stunden zu arbeiten.
Außerdem muss ich am morgigen Tag sowieso zu einer unchristlichen Zeit aufstehen, da zwischen 8 und 11 Uhr die Bahn streikt und ich nirgendwohin komme, so wie schon am letzten Dienstag, wo sie aber wenigstens kurz nach 9 Uhr wieder anfingen zu fahren. Also werde ich heute früh ins Bett gehen, früh aufstehen und die Zeit gezwungenermaßen wieder rausarbeiten. Das heißt, falls morgen das Bürogebäude noch steht....

Sonntag, 8. Juli 2007

Ich habe den Eindruck,

die letzten verregneten Tage haben der Mückenpopulation einen enormen Auftrieb gegeben, denn eben fühlte ich mich wie King Kong auf dem Empire State Building, als ich eine Schlacht gegen hundert blutdrünstige Monster schlug, die mich umzingelten. Leider weiß ich nicht, ob sich noch irgendwelche Luftstaffeln im Hintergrund halten, um mich so lange zu belagern bis meine Aufmerksamkeit nachläßt und sie über mich herfallen können.

...

Ich glaube, das alles was geschiet, alle menschlichen Schmerzen sind nötig für die Vollendung eines grossen Zieles, den wir aber mit unserem menschlichem Verstand nicht begreifen können.
(Aus "Zeit, die mir noch bleibt. Briefe aus dem Gefängnis" - Krystyna Wituska)
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