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Sonntag, 2. September 2007

Über Otto Kokoschka, Maler:

Kokoschka sei verrückt geworden - hieß es - er lebe nun mit einer Puppe zusammen. In der Tat hatte er bereits im Sommer 1918 bei der angesehenen Münchener Puppenmacherin Hermine Moos eine lebensgroße Puppe in Auftrag gegeben. Mit zahlreichen Detailzeichnungen hatte er die Schneiderin über das Aussehen des Fetischs instruiert. "Bitte machen Sie es dem Tastgefühl möglich, sich an den Stellen zu erfreuen, wo die Fett- und Muskelschichten plötzlich einer sehnigen Hautdecke weichen", wies er sie an: "Es handelt sich mir um ein Erlebnis, das ich umarmen muß!" Als die Puppe Ende Februar 1919 bei Kokoschka in Dresden eintraf, war die Enttäuschung groß, vergeblich versuchte er in dem Gegenstand aus Stoff und Holzwolle seine Alma Mahler zu erkennen. "Die äußere Hülle ist ein Eisbärenfell, das für eine Nachahmung eines zottigen Bettvorlegerbären geeignet wäre, aber nie für die Geschmeidigkeit und Sanftheit einer Weiberhaut", wie er Hermine Moos vorhielt. Die Puppe war verständlicherweise nicht geeignet, Kokoschkas sexuelle Bedürfnisse zu erfüllen. Nichtsdestoweniger verewigte er "Die stille Frau", wie die misslungene Kopie nun hieß, in zahlreichen Tuschezeichnungen und Gemälden. Er kleidete sie in teure Kostüme und Dessous aus den besten Pariser Modesalons und ließ über seine Kammerzofe das Gerücht verbreiten, er habe einen Fiaker gemietet, "um sie an sonnigen Tagen ins Freie zu fahren, eine Loge in der Oper, um sie herzuzeigen". Die Geschichte fand ein plötzliches Ende, als Kokoschka der Puppe bei einem Gartenfest im Rausch den Kopf abhackte und eine Flasche Rotwein darüber zerschlug. Mit der Ermordung der "stillen Frau" hoffte er offenbar, Alma in sich überwinden zu können. "Früh am nächsten Morgen, als das wilde Fest fast vergessen war, schellte die Polizei am Haustor. Die Schupos hatten einen dringenden Verdacht zu klären: Man habe gemeldet, im Garten liege eine Leiche." Als Kokoschka da Missverständnis aufgeklärt hatte, entsorgte die Müllabfuhr die Reste einer exaltierten Beziehung.
(aus: "Witwe im Wahn" von Oliver Hilmes)

Jemandem die Glatze polieren

Ich stehe in einer Schlange hinter einem Skin. Auf einer Seite seiner Glatze sprießen an einer kleinen Stelle ein paar stoppelige Härchen. Irgendwie stören mich diese, weshalb ich Sandpapier nehme und damit beginne, seine Kopfhaut zu schmirgeln, sorgfältig und konzentriert, bis sie an dieser Stelle völlig glatt geschmirgelt ist. Dabei bin ich mir nicht sicher, ob er nicht vielleicht etwas merkt, aber er bekommt überhaupt nichts mit und ist sowieso betrunken. Er dreht sich sogar um, und sagt etwas über seine sprießenden Haare, was nur den Schluß zuläßt, dass er wirklich nichts mitbekommen hat oder aber den oberflächlichen Anschein machen will, er bekomme nichts mit, durch diese übertriebene Form mir aber trotzdem einen versteckten Hinweis geben will, dass er doch was gemerkt hat.

Samstag, 1. September 2007

Creme um den Mund und Ungehorsam

Weil ich irgendeinen kleinen Pickel neben dem Mund habe, beginne ich mir Penatencreme rund um den Mund zu schmieren, bis er einen dicken weißen Rand hat, obwohl an den anderen Stellen gar nichts ist. Allerdings beabsichtigte ich etwas damit(wenn ich auch nicht mehr weiß, was das war). Ich spaziere in das Büro meiner Gruppenleiterin und sage zu ihr demonstrativ, sie solle sich heute nicht wundern wegen der Creme, da ich einen Ausschlag am Mund hätte (was aber so gar nicht stimmt). Frau Gr. kommt durch eine Tür im Büro, die nicht wirklich existiert, und will mir die Hand geben. Da ich noch Creme an den Fingern habe, will ich das vermeiden, doch Frau Gr. läßt nicht locker, erwischt durch mein Zögern aber nur die Fingerspitzen. Die Creme daran scheint sie nicht zu stören.

In einem unbekannten Hotelzimmer. Erst bin ich allein, dann kommt ein älterer Mann ins Zimmer. Wir liegen zusammen auf dem Bett und die Atmosphäre ist erotisch geladen, ohne dass wir uns überhaupt berühren. Er geht nach kurzer Zeit wieder, läßt aber eine frisch gebackene Pizza auf dem Bett zurück. Keine Tiefkühlpizza, sondern anscheinend handgemacht, mit sehr viel Käse und Tomaten, und äußerst appetitlich aussehend. Unglücklicherweise verlangt er von mir, dass ich die Pizza nicht anfasse, bis er wieder da ist. Dies sagt er jedoch nicht, weil ihm etwas an der Pizza liegt, sondern es ist Teil eines erotischen Spiels, dass er anscheinend mit mir spielen will, in welchem er mir Befehle erteilt und meinen Gehorsam verlangt. Sein Spiel mt der Pizza ist äußerst perfide, das wird mir klar, als ich sie so von allen Seiten betrachte und Überlegungen anstelle, ob ich meinem Appetit nachgeben oder lieber gehorsam sein soll. Schließlich denke ich bei mir "Ach egal, ich steh eh nicht auf sowas." und stopfe mir noch im Bett ein großes Stück Pizza in den Mund. Dabei muss ich aufpassen, keine Tomatenflecke auf der Bettwäsche zu hinterlassen, das könnte sonst zu sehr auffallen.

Freitag, 31. August 2007

Die wundersame Wandlung des Herrn N.

Eine Kollegin aus meiner neuen Gruppe wollte mal wieder wissen, wie es so mit Herrn N. laufe, und erzählte mir, dass Herr N., seit er mit mir zusammensitzt, viel aufgeschlossener geworden ist und jetzt auch immer mal ein freundliches Wort habe, wenn er bei anderen durch das Zimmer kommt. Dasselbe ist mir ja ebenfalls aufgefallen, weshalb ich mir dann immer gedacht habe, sooo schlimm ist er doch gar nicht, wie alle erzählen. Allerdings scheint dieser neue Wind wirklich erst mit mir eingezogen zu sein und "freundlich" ist bei Herrn N. sehr relativ - das, was für ihn freundlich ist, kann auf andere schon wieder zynisch wirken, aber die Wandlung scheint trotzdem eklatant zu sein. Meine Kollegin erklärt das damit, dass ich ihm gefalle. Ich hoffe mal, dass sie sich irrt. Vielleicht liegt es ja auch an seinen zweistündigen ausgedehnten "Dienstwegen" (wie er sie nennt), die er Mittags gerne macht. *gg*

Donnerstag, 30. August 2007

Irgendwie finde ich

es wirklich schade, dass man das eingesammelte Inventar immer nur für bestimmte vorgesehene Zwecke verwenden darf. Ich hätte da eine Menge kreativer Ideen. Zum Beispiel würde ich mit dem eingesammelten Klebeband dem nervigen Schlafwagenschaffner den Mund zukleben, damit ich endlich alle Mitreisende des Orientexpresses aus ihrem Schlaf reißen und in die Kabinen schauen kann, ohne dass der mich blöd von der Seite anquatscht.

Sehr schöner Begriff:

"querulatorische Persönlichkeitsstörung"

Dienstag, 28. August 2007

Und hier ist sie: Die wunderbare, fabelhafte, unglaubliche Brennessel!

Verwunderlich nur, daß so bekannte Größen des Altertums wie Horaz und Ovid die Brennessel besungen haben, der griechische Naturphilosoph Phanias ihr zu Ehren ein ganzes Buch schrieb, der römische Dichter Catull die Brennessel in einem Gedicht hochlobte, Hieronymus Bock an den Anfang seines Kräuterbuches diese Pflanze setzt, ja alle alten wie neueren Heilpflanzenkenner sie ganz besonders als starke Heilpflanze hervorheben. Ausgesprochen unverständlich erscheint uns, wenn Albrecht Dürer auf einem Bild die Brennessel in die zarten Hände eines Engels legt, damit er dieses Unkraut zum Thron des Herrn hinaufbringe. Es brennt uns förmlich in den Fingern!

Lassen wir uns doch auf dieses brennende Abenteuer ein, versuchen wir herauszufinden, warum gerade ein Teufelsunkraut in den Himmel gehoben wird. Wir brauchen nicht weit zu gehen, um auf die nächste Brennessel zu stoßen. Gleich am Haus, selbst in der größten Stadt, auf einem winzigen übriggelassenen Stückchen Erde hat sie Fuß gefaßt. Und da machen wir schon die erste ungewöhnliche Entdeckung. Diese Pflanze, die so sehr auf Distanz bedacht ist, läuft dem Menschen _ geradezu nach. Wo immer
wir uns niederlassen, bei allen menschlichen Siedlungen, in der Stadt, auf dem Land, bei Bauernhöfen, nahe der verlassensten Hütte in den Bergen, da finden sich die Brennesseln ein. Selbst dort, wo Siedlungen schon längst wieder aufgegeben und von Gras überwachsen sind, stehen noch die Brennesseln und zeigen an, »hier haben einmal Menschen gewohnt«. Sie finden sich besonders ein an solchen Plätzen, wo wir unsere Abfälle und Ausscheidungen hinterlassen haben, wo der Boden von Urin oder Jauche getränkt ist, hinterm Haus neben der Güllegrube. Die Brennesseln scheinen mit einem Zuviel an Harnstoff umgehen zu können...

...Jetzt sind wir schon der ersten guten Tugend dieses Teufelskrautes auf der Spur. Die Brennesseln können heilend auf das Bodengeschehen einwirken. Mit ihren langen, weitverzweigten Wurzeln erschließen sie die Erde für neue Humusbildung. Die abgestorbenen Brennesseln bereichern den Boden mit ihrem hohen Gehalt an Mineralien. Das Übermaß an Stickstoff im Boden wird umgewandelt. Wir können diese Kräfte der Brennessel ganz gezielt im Garten verwenden. Unter Obstbäume gepflanzt, vermehren sie deren Ertrag, neben aromatischen Kräutern erhöhen sie Duft und Aroma dieser Pflanzen.

Als ob sie es von Anfang an gewußt hätte, daß der Mensch um sich herum soviel zerstören wird, als ob sie einen geheimen Auftrag erhalten hätte: »Halte dich an die Menschen, folge ihnen auf Schritt und Tritt, ordne, heile, aber hüte dich vor ihnen; denn wenn sie einmal deine große Nützlichkeit erkannt haben, könnten sie dich in ihrer Gier ausrotten. « So folgt uns dieser hilfreiche Pflanzengeist in der Verkleidung eines beißenden, brennenden und unansehnlichen Unkrauts. Und bis jetzt hat alles geklappt; hätte sich die Brennessel nicht immer so standhaft gewehrt, vielleicht wäre sie jetzt vom Aussterben bedroht, denn sie ist uns für so viele Dinge nützlich: Im Frühjahr bietet sie sich an als gesunde und schmackhafte Nahrung, mit ihren Wurzeln und Blättern kann man Wolle und Stoffe färben, die zähen Fasern der Stengel können zu Stoffen verarbeitet werden. Im Mittelalter wurde die Brennessel sehr viel zur Herstellung des Nesselstoffes verwendet. Wer heute in einem Geschäft jedoch Nessel kauft, erhält einen aus Baumwolle gefertigten Stoff. Zur Gewinnung von Chlorophyll wird heute hauptsächlich die Brennessel verwendet, denn sie enthält diesen Stoff in besonders reichem Maße...

...Eisen, das „Metall des Mars“, findet sich in besonders hoher Konzentration in der Brennessel. Im menschlichen Körper kann diese Pflanze die eisenproduzierenden Organe anregen und ihm außerdem Eisen zuführen. Auch die Farbe dieses Planeten, das Blutrot, hat ihre Entsprechung in der Heilkraft der Brennessel. Sie ist eine unserer besten Blutreinigungspflanzen. Besonders im Frühjahr, wenn der Körper vom Winter voll Schleim ist, die Frühjahrsmüdigkeit die Aktivitäten lähmt, im Monat des Mars, dem März, ist eine Reinigungskur mit der Brennessel besonders wertvoll. Bleichsüchtigen, blassen Menschen bringt sie die gesunde rote Farbe wieder ins Gesicht. Jetzt zu dieser Zeit hat die Brennessel auch einen besonders hohen Eisengehalt.

(aus "Medizin der Erde" von Susanne Fischer-Rizzi)

Die Seebestattung

Gerade mit meinem Kumpel gequatscht und er hat mir von der Seebestattung erzählt, auf der V. ihre letzte Ruhe gefunden hat. Sie wurden dazu mit einem kleinen Bus abgeholt, zum Hafen gefahren und dann auf einen Kutter verfrachtet. Als der Kutter draußen auf See war, bemerkten sie, dass es das einzige Schiff auf See war und das hatte auch einen Grund, nämlich den, dass es an diesem Tag ziemlich stürmisch wurde. Sie waren neun Beerdigungsgäste und von diesen neun Gästen sahen sieben irgendwann gelb und grün im Gesicht aus, weil ihnen richtig schlecht war. Mein Kumpel natürlich nicht, denn der ist ja ein harter Seebär.;o) Der Kutter fuhr zu einer bestimmten Stelle vor den Kreidefelsen, welche direkt für Seebestattungen vorgesehen ist, dort darf nicht gefischt werden. Dann hat der Kapitän eine Ansprache gehalten und die Urne wurde ins Wasser gelassen. Ich dachte ja immer, dass die Asche einfach in die See gestreut wird, aber es ist so, dass die Bestattung in wasserlöslichen Urnen stattfindet, die sich erst nach geraumer Zeit auflösen. Die Beerdigung soll im großen und ganzen recht lustig gewesen sein, also anders als normale Beerdigungen. Sie haben Luftballons steigen lassen, Blumen auf das Wasser gestreut und wohl an dem Tag, natürlich nicht direkt bei der Bestattung, öfter mal gelacht. Warum auch nicht, 40 Jahre sind zu jung um zu sterben und auch zu jung für bleierne Beerdigungen. Eigentlich finde ich so eine Seebestattung gar nicht schlecht. Insbesondere die Vorstellung, wie die Gäste auf meinem letzten Weg alle grün und gelb werden und kotzend über der Reling hängen, erheitert mich sehr. Schade, dass ich das dann nicht mehr sehen kann. *gg*

Ansonsten haben wir jetzt den 16. für einen Ausflug festgemacht, den wir schon lange nicht mehr zusammen gemacht haben. Ich hoffe, dass es jetzt, nachdem es die letzten zwei Tage schlagartig so kühl geworden ist, nicht noch anfängt, wochenlang zu regnen.

Montag, 27. August 2007

Ein leicht übelkeitserregendes Gewinnspiel

gibt es neuerdings bei Rittersport. Dabei kann man nämlich die sogenannte Ritter-Rente gewinnen - 365 Tafeln Rittersport jedes Jahr und das ein Leben lang. (Man muss übrigens nicht erst 32 Tafeln kaufen und das Qualitätssiegel sammeln, man kann auch nur mit Postkarte teilnehmen.)
Wen bitte wollen die damit hinter dem Ofen hervorlocken?
Jeden Tag eine ganze Tafel Schokolade und das ein Leben lang? Das wäre selbst mir zuviel.
Dabei will ich mir noch gar nicht ausmalen, wie das wird, wenn man irgendwann im fortgeschrittenem Alter an Diabetes leidet und gar keine Schokolade mehr essen darf.
Da hilft wohl nur noch, 365 Tafeln jedes Jahr dem Kinderheim zu stiften. Die Frage ist, warum Rittersport das nicht gleich tut, sondern erst so ein dämliches Gewinnspiel ausruft.

Als ob es nicht schon faszinierend

genug wäre, wie so ein kleines Spinnentier so ein wunderschönes großes Radnetz weben kann, so finde ich es doch noch viel erstaunlicher, wie so ein kleines Spinnentier binnen einiger Minuten das ganze Netz wieder wegräumen, aufräufeln, aufwickeln oder was auch immer kann. Und das machen die tatsächlich, ich dachte ja immer, die lassen das alte einfach hängen, bis es von alleine abfällt, aber denkste. Zumindest meine Hausspinne ist extrem ordentlich, gut erzogen und räumt alles, was sie nicht mehr braucht, fein säuberlich aus dem Weg. Als letzten Sonntag das Netz verschwunden war, meinte ich, sie hätte sich endlich ein anderes Plätzchen gesucht - dem war aber nicht so. Anscheinend hatte sie nur eine kurze Jagdpause eingelegt und von ihren Vorräten gezehrt, bis die aufgebraucht waren. Dies war wohl gestern der Fall, denn da hing sie wieder in ihrer vollen Pracht mitten in einem Netz. Netterweise hatte sie es diesmal etwas niedriger gebaut, so dass ich mich nicht mehr so sehr verrenken musste, um rüberzukommen. Als ich heute von der Arbeit kam, hing sie immer noch im Netz, aber fünf Minuten später, hatte sie alles schon ordentlich eingepackt. Keine Ahnung wieso. Vielleicht ist es ihr auch zu kalt geworden, so mitten im Wind.

Kürbisblüten?

Als ich heute morgen wieder auf meiner "Unkrautstraße" entlangging, traute ich meinen Augen kaum. Vom weitem sah es aus, als lägen große Fetzen gelber Müll verstreut. Aber es waren keine Abfälle, sondern riesige - kaffeetassengroße - gelbe Trichterblüten direkt am Wegesrand. Solche Blüten habe ich noch nie gesehen. Nach einigem Googeln glaube ich, dass es Kürbisblüten sein könnten, allerdings erkennt man auf den Fotos nie die Größenverhältnisse. Sollten es Kürbisblüten sein, müßte es ja bald Kürbisse am Wegesrand geben, d.h. falls das Unkraut vorher nicht abgemäht wird, wie auf der anderen Seite passiert.

Sonntag, 26. August 2007

Alma Mahler-Werfel über eine intime Begegnung mit Hans Pfitzner:

Da - dieser feine Dichter und Musiker sagte wörtlich: "Was sollen wir jetzt tun? Soll ich dich nun besitzen - oder nicht?" Er war mir nur komisch in diesem Moment. Ich ließ ihn noch eine kurze Weile bei dem "wir", aber jämmerlich kam mir dieses grobklotzige, kleine, schwache Nervenbündel vor! Das sind die Künstler! Wenns ans Leben geht - werden sie Dilettanten!
(aus "Witwe im Wahn" von Oliver Hilmes)

Gerade mußte ich laut auflachen,

als ich folgende Rezension zu "Das Druidentor" von Hohlbein gelesen habe:

Wenn ich jemals ein schlechteres Buch gelesen habe, erinnere ich mich Gott sei Dank nicht mehr daran. Dieses Buch ist nicht schlecht auf die "Mann, das will ich nie wieder lesen"-Art, sondern auf die "Ein Teil meiner Seele und die Hälfte meiner Gehirnzellen ist während des Lesens gestorben"-Art und wäre schon nach Seite 300 aus dem Fenster geflogen wenn ich nicht zu den armen Verdammten gehören würde die sich verpflichtet fühlen jedes Buch, dass sie anfangen, auch zu Ende zu lesen.....
Gelacht habe ich nicht deshalb, weil ich der gleichen Meinung bin wie der Rezensent - ganz im Gegenteil. Ich bin zwar kein Hohlbein-Fan, habe aber trotzdem drei Bücher von ihm gelesen. Das erste war "Das Druidentor" und gerade dieses war es, das mich so gefesselt hat, dass ich auch noch andere lesen wollte. Das zweite war "Azrael" - zwar noch ganz spannend, aber weniger interessant, und das dritte, "Hagen von Tronje", kann man vernachlässigen. Ich bin darauf zu dem Schluß gekommen, dass "Das Druidentor" wohl das Beste von Hohlbein ist und ich die anderen nicht mehr lesen muss. Dieses zeigt mal wieder, wie unterschiedlich die Lesegeschmäcker sind und wie wenig man sich auf die Rezensionen verlassen kann. Und alles was danach kam, der Grund ist ganz klar mit einem Mal - die Hälfte meiner Gehirnzellen ist damals gestorben. *gg*

Samstag, 25. August 2007

Alma Mahler-Werfel über Gustav Mahler, ihren Ehemann und Komponisten:

Er hält von meiner Kunst gar nichts - von seiner viel - und ich halte von seiner Kunst gar nichts und von meiner viel. So ist es! Nun spricht er fortwährend von dem Behüten seiner Kunst. Das kann ich nicht. Bei Zemlinsky wärs gegangen, denn dessen Kunst empfinde ich mit - das ist ein genialer Kerl. Aber der Gustav ist ja so arm - so furchtbar arm. Wenn er wüßte, wie arm er ist - er würde die Hände vor die Augen geben und sich schämen.
(aus "Witwe im Wahn" von Oliver Hilmes)

Donnerstag, 23. August 2007

Es wird wieder

scharf mit Stöckchen geschmissen:

Lieblings-Schlafklamotte?
Mein Unterhöschen, manchmal auch nichts.

Lieblings-Bettwäsche?
Zur Zeit eine mit ägyptischem Design in Art der alten ägyptischen Wandmalereien. Zum Schlafen mag ich besonders Blau und Violett, im Sommer Satin-Bettwäsche.

Lieblings-Schlafposition?
Toter Mann - auf dem Rücken, alle Viere von mir gestreckt, wobei ich immer den linken Arm angewinkelt über den Kopf lege. Wenn ich tief schlafe, wache ich ebenfalls so auf, schlafe ich unruhig, lande ich oft auf der rechten Seite.

Hast Du ein “Einschlafritual”?
Das ändert sich immer phasenweise. Mal lese ich, mal schaue ich fern, mal höre ich Hörspiele oder Hörbücher, es gab auch schon Phasen, in denen ich Computerspiele im Bett gespielt, Gedichte gedichtet oder mit Vorliebe Marianne Rosenberg- oder Schlafes Bruder-Kassetten gehört habe. Wer weiß, was noch alles kommt. *gg*
Und wenn ich nicht so müde bin, dass ich auf der Stelle einschlafe, sobald ich die Augen schließe (was allerdings in der Woche die Regel ist), gehört ein Dankgebet ganz selbstverständlich mit dazu, wenn Bedarf besteht außerdem Fragestellungen oder Bitten für meine Träume.

Hast Du ein Kuscheltier, Knuddelkissen o.ä.?
Puschel liegt rechts in meinem Arm und Tiger wacht auf der linken Seite über meinen Schlaf.

Was machst Du, wenn Du nicht schlafen kannst?
Ich habe da so eine selbstentwickelte Mischung aus autogenem Training und Meditationstechnik, die hilft garantiert. Das Zählen habe ich auf sechs Schritte gekürzt, aber meist braucht es nicht einmal drei Schritte, bis ich eingeschlafen bin. Die Technik wende ich aber auch gerne nur an, um meinen Schlaf tiefer zu machen, weil sie eine Grenze zwischen Alltagsbewußtsein und Schlafbewußtsein zieht, so dass Schlaf und Träume weniger "verunreinigt" werden.

Wie groß ist Dein Bett?
Es soll 1,20 x 2,00 m werden, ist aber noch 1,00 x 2,00 m - das geniale Untergestell für kleine Wohnungen dafür habe ich schon, aber ich hatte bisher noch nicht die Gelegenheit, eine größere Matratze zu kaufen.

Wie viele Kissen hast Du?
Zum Schlafen nur ein flaches Kopfkissen. Ich liebe es, wenn es abends frisch aufgeschüttelt und aufgeplustert ist, bin selbst aber oft zu faul dazu. Tagsüber zieren außerdem zwei Zierkissen und eine Nackenrolle das Bett.

Linke oder rechte Seite?
Am Kopfende...*Kopf kratz*

Wie lässt Du dich wecken?
Ein normaler Wecker, ein Zen-Wecker, mein Festnetztelefon und mein Handy mit dem seit drei Tagen neuen Klingelton aus der Filmmusik von "North by northwest". Gelegentlich kommt es vor, dass ich alle vier nicht höre. Verlässlicher ist da meine innere Uhr, die ich am Abend so programmieren kann, dass ich genau zur gewünschten Zeit erwache. Das funktioniert immer, nur leider schlafe ich in der Woche meist sofort ein, so dass ich nicht mehr dazu komme, mich zu konditionieren.

Stehst Du direkt auf oder bleibst Du liegen?
Sofort aufstehen geht gar nicht. Ich brauche ziemlich lange, um richtig wach zu werden. Im ersten Moment bin ich meist regelrecht gelähmt, so dass ich mich weder bewegen noch sprechen kann. Deshalb ist es für mich auch völlig unmöglich aus dem Schlaf heraus rechtzeitig an ein klingelndes Telefon zu gehen, selbst wenn es neben mir am Bett steht. In der Woche bleiben mir gerade mal zwanzig Minuten zum liegen bleiben, am Wochenende kann es schon mal eine Stunde werden. Nach dem Aufwachen ist auch meine bevorzugte Zeit, um Gedankenreisen und Zwiegespräche zu unternehmen, bei denen es wach zu bleiben gilt.

Dein erster Gedanke am Morgen?
Normalerweise gelten die ersten Gedanken meiner Traumerinnerung, außer es geschieht Unvorhergesehenes, was mich davon ablenkt.

Was machst Du, um wach zu werden?
Aufstehen, Waschen, Zähneputzen, Anziehen, was trinken, zur Bushaltestelle gehen, mit der U-Bahn fahren, arbeiten und wenn ich Glück habe, bin ich dann gegen Mittag wach. *gg*

Mitnehmen mag das Stöckchen, wer will.

...

Die Suche nach Erkenntnis ist für die dickköpfigen, stolzen und eigensinnigen Menschen ein langer, trostloser Weg. Die Reise ist nicht lang, es sei denn, der Verstand wünscht, daß sie lang ist, man muß keine hohen Berge besteigen - das menschliche Ego hat diese Dinge aufgebaut. Wir errichten selbst die Hindernisse zwischen Gott und uns
....
Das Gefühl des Getrenntseins, das in letzter Konsequenz die einzig mögliche Sünde ist, die der Mensch begehen kann, tritt überall dort auf, wo die Höflichkeit fehlt. Der wirklich Höfliche sieht die Reflexion Gottes in allen seinen Geschöpfen, und sein Respekt ist die unbewußte Verehrung, die er dem Schöpfer entgegenbringt
...
Das Unbewußte kann und wird die Pläne und Ideen ausführen, die ihm vom bewußten Verstand vorgeschlagen werden. Bewußtes Denken ist demnach der Gebieter über das Sonnenzentrum, von woher die Lebensenergie in den gesamten Körper strömt. Unsere Art zu denken bestimmt die Denkweise, die diese Sonne ausstrahlt, und der Charakter des Denkens, der durch unseren bewußten Verstand gepflegt wird, bestimmt das Denken, das diese Sonne ausstrahlt. Folglich wird auch jede Erfahrung davon geprägt
...
Aber das Gefühl von Ruhe und Frieden, das mit Hilfe des Geistes entsteht, wenn die Seele die magnetische Schwingungsrate des Materiellen überschreitet und in die Bereiche des Geistigen strömt, überwältigt den Menschen so sehr, daß es keine sterbliche Prosa oder Lyrik, die das vermittelt, geben kann.

(aus "Schöpferkraft der Farben" der Essener Friedensbruderschaft)

Dienstag, 21. August 2007

Das Gewitter

Ich werde in meinem alten Kinderzimmer wach. Es gewittert heftig und helle Blitze zucken in den offenen Fenstern. Lange liege ich im irgendwie ungemütlich kalten Bett und lausche den krachenden Donnerschlägen. Die Zeit erscheint mir unendlich lang. Da fällt mir ein, dass meine Mutter noch unterwegs ist. Sie ist wahrscheinlich genau in das Gewitter gekommen. Es klingelt auch schon an der Tür. Ich gehe zu einer modernen Gegensprechanlage, die es früher nicht gab und betätige den Türöffner, nachdem ich mich vergewissert habe, dass es meine Mutter ist. Nun erwachte ich wirklich und stellte fest, dass es tatsächlich heftig gewittert. Mit dem Gedonnere ging das noch ewig, super, wenn man eh keine lange Nacht hat. Mit dem Zeitgefühl meines Traumes zusammen würde ich auf zwei Stunden Gewitter tippen, aber wahrscheinlich war es viel kürzer. Und zu allem Überfluß mußte ich auch noch plötzlich an Aleister McSchnupf aus dem "Müll"-Roman denken - ich stellte mir bildlich vor, wie der kokainschnupfende Cop als der neue Alte im Himmel sitzt und tüchtig herumwettert, was mich so erheiterte, dass ich jetzt erst recht wach war und nicht mehr einschlafen konnte. Interessant finde ich, dass mein altes Kinderzimmer wohl eine wichtige Zwischenstufe meines Bewußtseins darstellt, da ich oft aus einer Bewußtlosigkeit dort "erwache". Sollte ich jemals ein Geist werden, werde ich wohl in dem alten Pfarrhaus herumspuken. *gg*
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