(aus einer alten Zeitschrift, die ich gerade gefunden habe - bei mir der Typ 'Streit-Eltern')
"Der durchschnittliche Lärmpegel im elterlichen Wohnzimmer hatte Flughafen-Frankfurt-Niveau, und Türen wurden nie einfach geschlossen, sondern immer geworfen. Unsere ersten Worte waren nicht 'Mama' und 'Papa', sondern 'Ssseiße' und 'A-loch'. Streit-Eltern haben sich mehr in den Haaren gehabt, als über unsere gestreichelt. Sie waren so damit beschäftigt, sich gegenseitig vorzuwerfen, wie schlecht sie sich benommen hätten, dass wir inzwischen unbemerkt mit dem Finger in der Steckdose bohren konnten. Natürlich hat das Folgen: Wir sind relativ unausgeglichen, manchmal cholerisch, sehr lärmempfindlich und vermeiden direkten Hautkontakt mit Stromquellen aller Art. Jetzt können wir in alter Freud-Tradition die Eltern verteufeln - aber von wegen:
1.) Durch jahrelange Dauerbelastung sind wir als Kinder von Streit-Eltern besonders tolerant (wen stört es heute, wenn zwei sich streiten?). 2.) Wir sind diplomatisch (auf Grund lang geübter Lärmvermeidungs-Strategien). Und 3.) kennen wir, Scheißendreck, verdammt viele Schimpfwörter!"
Heilige Scheiße, ich finde, da ist verdammt viel Wahres dran! Und meine Lärmvermeidungs-Strategien werden von Jahr zu Jahr immer ausgefeilter. *lol*
Ein wunderschönes Gefühl der Nähe und Verbundenheit mit K., doch bald darauf bin ich allein, vor mir ein Behälter mit bunten Stiften. Sie stehen ziemlich wild durcheinander, manche von ihnen nur locker zwischen die anderen gesteckt und ohne dabei den Boden zu berühren. So ganz nebenbei und ohne mir etwas dabei zu denken, klopfe ich dreimal auf das obere Ende eines von ihnen bis dieser völlig nach unten gerutscht ist. Gleich darauf sehe ich, wie ein zweiter Stift ebenfalls drei Schläge erhält und nach unten rutscht. Jedoch habe ich diesen zweiten Stift nicht angefaßt und es ist auch niemand neben mir zu sehen. Sofort weiß ich, daß es K. war. Dort, wo er ist, kann ich ihn nicht sehen und er nicht mich. Aber dieser Behälter mit den Stiften ist an beiden Orten völlig gleich. Eine geniale Idee, darüber zu kommunizieren! Jeder von uns sieht sofort, daß der andere nicht weit weg ist, sondern ganz im Gegenteil sehr nah, wenn auch nicht sichtbar. Begeistert klopfe ich einen dritten Stift in die Dose als Zeichen, daß ich verstanden habe.
ein
leckerer Adventskalender, der nicht dick macht. Aber irgendwie reizt mich Schokolade mehr. Noch besser Schokolade mit Marzipan. Warum gibt es eigentlich keine Adventskalender mit Männern UND Schokolade UND Marzipan?
daß man, geht man an einem Saturn-Tag auf einen Spaziergang und auf die Suche nach idyllischen Orten, nur Mülldeponien findet. Sie säumten meinen Weg, die Bilder zeigen bei weitem nicht alle.
Der abgetakelte Reiher, den jemand in eine morsche Baumwurzel drapiert hatte, war wenigstens noch ganz witzig:
Doch dann - ein
klarer Bergsee mitten in Berlin (muß ja niemand wissen, daß diese Berge ebenfalls nur Mülldeponien sind).
Ich glaube, das war sogar der See, an dem ich vor zwanzig Jahren mit meinen Kumpels zum Angeln gewesen bin. Jedenfalls muß das irgendwo dort in der Nähe sein.
Zuerst ein langer Arbeitstag im Büro. Alle bleiben bis 20-21 Uhr, weil das jetzt wohl häufig so angeordnet wird. Danach finde ich mich in einem Krankenhausbett wieder. Es steht in einer großen Halle mit vielen anderen Betten. Jedes Bett für sich ist eine kleine Anlage. Ein Roboter, der aussieht wie ein Einkaufswagen, kommt um die Ecke angefahren und rollt unter meinen Füßen hindurch, wohl um den Verband oder die Wunde zu scannen. Nirgendwo ist Personal zu sehen, alles wird durch diese Roboter erledigt. Ich wundere mich, woher die wissen, wann ich aus dem Op gekommen und auf Station bin, aber wahrscheinlich wird das irgendwo vorher einprogrammiert. Neben mir steht eine andere Krankenbettanlage und an dieser sehe ich, wie das mit der Essensausgabe funktioniert. Neben dem Bett befindet sich eine lange weiße Leiste, in welche verschiedene Behälter eingelassen sind. Automatisch wird in diese Behälter die jeweilige Nahrung durch einen Greifarm(?) hineingelegt, in einen Behälter z.B. die Brotscheiben, in den nächsten die Butter, usw. Aber anscheinend kann man in das Krankenhaus auch seine Haustiere mitbringen, die sonst alleine bleiben würden, denn es gibt ebenfalls Behälter für Tierfutter. In der Krankenbettanlage neben mir werden in diese Behälter Motten und eine lebende Amsel gefüllt. Ich weiß ja nicht, was für ein Haustier mein Bettnachbar mitgebracht hat, aber mir tut die schwarze Amsel leid, die jetzt in ihrem Käfig sitzt und darauf wartet, verfüttert zu werden. Durch ein eingearbeitetes quadratisches Loch in der Seite der Leiste, kann ich alle Inhalte genau von außen einsehen. Doch da - plötzlich quetscht sie sich durch dieses Loch aus ihrem Gefängnis und flüchtet in die Halle. Flatternd sucht sie in einer Fensterecke nach dem Ausgang, findet in der hohen geschlossenen Fensterwand jedoch keinen. Ein mittleres Chaos entsteht durch diesen unerwarteten Vorfall, auf den die Automaten nicht vorbereitet sind. Auch die Patienten geraten in Aufruhr. Sie protestieren, indem sie Transparente hochhalten, auf welche sie Gedichte und Sprüche geschrieben haben. Das wichtigste Wort in allen von ihnen ist 'Leben'. Bei einigen steht aber auch 'Lebel' statt 'Leben'. Ich denke mir erst, daß dies wohl die Umkehrung von 'Leben' ist, aber das stimmt ja gar nicht. Die Umkehrung von 'Leben' ist 'Nebel'. Jedenfalls haben diese Ereignisse die schön automatisierten Abläufe fast vollständig zum Erliegen gebracht. Die Krankenhausleitung muß eingreifen und verspricht, die Amsel freizulassen, um die Patienten zu beruhigen. Das freut mich für sie...
hatte ich das Abschlußgespräch bei der Ärztin mit transylvanischer Verwandtschaft. Damit hatte ich fast jedesmal eine andere Ärztin und immer muß man wieder alles vom Urschleim an erzählen. Sie erklärte mir diesmal, so wie ich es mir gedacht hatte, daß die Strahlung durch das Schlüsselbein ging und am Rücken wieder austrat. Außerdem meinte sie, daß ich mit meiner Haut gut weggekommen sei und wollte wissen, wie ich sie gepflegt hätte. Gepflegt habe ich überhaupt nicht viel, aber immer Panthenoltabletten gelutscht. Vielleicht hat das geholfen, aber vielleicht habe ich nur eine robuste Haut. Gegen Sonnenbestrahlung bin ich ja auch recht unempfindlich. Wie ein gegrilltes Spanferkel sehe ich trotzdem aus und es dauert laut ihrer Aussage wohl ziemlich lange, bis die Haut wieder einen normalen Farbton annimmt. Und ich bin die ganze Zeit mit fiesem Strahlenkater herumgelaufen, der angeblich, so habe ich gerade gelesen, heute selten geworden ist im Gegensatz zu früher, als hochdosierter und großflächiger bestrahlt wurde. Schön, daß das heute so selten vorkommt, toll, wirklich. Warum dann ausgerechnet bei mir? Lt. Patientenpass wurden mir insgesamt 60 Gray verabreicht.
Inzwischen sind dann auch die Laborergebnisse des Bluttests eingetrudelt und alle bestens, auch dieses Thrombosegen-Dingsbums, allerdings bin ich wieder verunsichert, weil da steht, daß eine Faktor V...Mutation mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen ist, meine Mutter aber eine Faktor VIII-Mutation hat. Kann ich bei dem Test nun davon ausgehen, daß dieses auch in Ordnung ist, oder nich - verstehe nur Bahnhof.
Putzig: Als ich von der Ärztin nach Hause lief, rannte mir ein rotgepuscheltes Etwas entgegen, das sich als Eichhörnchen entpuppte, als es vor mir über den Gehweg flitzte. Dann hoppelte es ein Stück neben mir auf dem Bordstein, flitzte wieder genau vor mir zurück über den Gehweg und verdrückte sich auf einen Baum. Warum es dieses Umweg machte, weiß ich nicht, anscheinend konnte es sich nicht entscheiden. Aber ich könnte mir nächstes Jahr ganz gut Eichhörnchen als Haustierchen vorstellen. Die fressen wenigstens nur Nüsse, hoffe ich doch, falls sie nicht ebenfalls schon schlechte Angewohnheiten angenommen haben. Jedenfalls war das eine dieser Situationen, in denen ich es bereue, keine Nuß in der Tasche zu haben.
Während eines Unterrichts nähe ich ein zartes Gitter aus Rechtecken auf ein rotes Stück Stoff. Ich finde, dies Nähte sind mir schon recht gut gelungen, jedenfalls sind sie sehr gerade und regelmäßig, allerdings ist mein Lehrer, ein älterer Herr mit Brille und einem Gesicht aus faltiger Güte, nicht ganz zufrieden. Ich habe nicht auf die Anfänge und Abschlüsse geachtet, die auf eine bestimmte Weise als kleine Knötchen angeordnet sein sollen. Mein Lehrer nimmt seine Brille ab und erklärt mir sehr geduldig, fast liebevoll, und ohne mir das Vertrauen in mich selbst zu nehmen, wie ich es anzustellen habe. Ich höre aufmerksam und lernwillig zu, denke aber bei mir, daß ich sicher noch besser verstehen und lernen würde, wenn ich nicht nur das WIE, sondern auch das WARUM erklärt bekäme. Wenn ich weiß, warum etwas so oder so zu machen ist, kann ich auch die Zusammenhänge erkennen und mir die erforderlichen Schritte viel besser merken. Sicherlich würde mein Lehrer nichts dagegen haben, wenn ich ihm entsprechende Fragen stelle, aber wird er mir diese auch beantworten?
ganze Schwärme davon, genauer: 600 pro Stunde. Das alles heute Nacht in westnordwestlicher Richtung aus dem Sternbild des Drachen. Das ist Balkonlage, haargenau. Inzwischen hat sich die riesige Regenwolke abgeregnet und der Himmel ist da und dort aufgeklart. Das heißt, das Fernsehprogramm fällt aus, ich werde mich dick einpacken (ist ja doch schon kühler) und etwas Knabberzeug bereitstellen für die Sternenshow. Meine Haustierchen dagegen rollen schon ihre Honigwein-Pocketflaschen neben das Bett, um mit mir die Show gemeinsam von der Dachloge aus zu genießen. Schließlich gibt es die Darconiden erst in 51 Jahren wieder zu sehen. Das könnte eng werden und es wäre doch gelacht, wenn heute nicht wenigstens ein kleines Schnüppchen für mich abfiele.
Edit: Immerhin vier Schnuppen, bevor eine dicke Wolkendecke aufgezogen ist. Man muß aber in der Stadt schon ziemlich genau hinschauen bei so viel Lichtverschmutzung. Auf dem Land wäre sicher mehr zu sehen gewesen.
gibt es ebenfalls im Weidevieh-Biotop, wie ich heute feststellen durfte. Als wir mit dem Auto vorbeifuhren, saß dort auf einem der Zaunpfosten ein majestätisches Exemplar und ließ den Autobahnstrom seelenruhig an sich vorbeifließen. Ein Bild wie gemalt. Einfach großartig!
sind am schönsten, wenn sie vorüber sind. Eigentlich hat die Zahnärztin gar nicht viel gemacht, außer Dreck abzukratzen und wieder Füllstoff raufzubauen. Doch wo sie gekratzt hat, muß schon der blanke Nerv gewesen sein. Ich bin bald an die Decke gegangen und der Zahn hat noch Stunden später gepocht und gezogen. Irgendwann soll eine Krone drauf, aber jetzt möchte sie mich damit noch nicht belasten. Ich hoffe mal, daß der halbe aufgesetzte Zahn vorerst wirklich hält. Ein bißchen skeptisch bin ich beim Backenzahn.
Und in Klinik erzählen sie mir, daß Montag mein letzter Bestrahlungstag sei. Ich kann mir nicht helfen: So viel ich auch rechne, ich komme immer auf Dienstag, bzw. unter Berücksichtigung des Feiertags, an dem ja nicht bestrahlt wurde, auf Mittwoch als letzten Bestrahlungstag. Selbst wenn die Simulation als Bestrahlung mitzählt, ist da immer noch der Feiertag und 30+5 ist ja eigentlich nicht falsch zu verstehen. Aber ok, mir soll es recht sein. Immer noch besser als ein paar Bestrahlungen zuviel.
Nach dem Zahnarzt war mal wieder ein Besuch bei den freilaufenden Kühen fällig. Schon als ich das Gelände betrat, roch es stark nach Vieh, ohne daß etwas zu sehen war. Der Duft stammte wohl von den riesigen Kuhfladen, die überall auf den Wegen herumlagen. Eigentlich wollte ich nur in den Elfenwald und mich dort auf die Rastbank setzen, aber ausgerechnet diesen Weg blockierten sie diesmal. Ok, wenn man sie von weitem sieht, ist es immer noch besser, als wenn hinter der Ecke plötzlich eine Herde steht. Und die Elfen hatten sich heute wegen des starken Windes eh verkrochen statt zu tanzen. Nur ein paar wenige sehr pummelige Elfen trotzten ihm. Doch auch auf dem zweiten und später auf dem dritten Weg standen Kühe, als hätten sie sich diesmal in den Kopf gesetzt, alle meine Wege zu blockieren, während vorher nie etwas von ihnen zu sehen war. Und dann begann es so zu stürmen und zu regnen, daß ich sowieso den Rückzug antreten mußte. Tropfnass kam ich zu Hause an.

Es gibt nur zwei Möglichkeiten, dem Leben zu begegnen. Die eine besteht darin, so zu tun, als gäbe es keine Wunder. Die andere besteht darin, so zu tun, als gäbe es nichts als Wunder.(Albert Einstein)
Mehrere hölzerne Bankreihen wie in einer Schule, auf denen da und dort jemand sitzt. Ich bin noch fast völlig unbewußt oder konzentriert auf irgendetwas, während Charlie Sheen neben mir steht und irgendwelche Sprüche klopft, auf die ich aber kaum achte. In einen höheren Grad Traumbewußtheit tauche ich erst auf, als ich sehe, daß meine Orthopädin vor mir in der Reihe sitzt und uns beobachtet hat. Sie stellt in einem Satz fest, daß Charlie Sheen mich anbaggert und ich sein Liebling bin. Weiter sagt sie, daß sie mich sprechen müsse. Wie? Was? Charlie Sheen baggert mich an? Und ich bin sein Liebling? Und woher weiß sie das? Erst jetzt nehme ich ihn so richtig neben mir wahr. Aber weshalb will sie mich eigentlich sprechen? Mysteriös...